So, jetzt mach ich keine große Einleitung, sondern fang einfach mal gleich an. Wie ich anfangen würde, wisst ihr ja eh schon.
Diesmal gibt es mal ausnahmsweise keinen Bericht der letzten Ereignisse...sondern ein "Special"! Yay!
Wer möchte, kann sich auch im Webalbum die neuen Bilder (von heute) ansehen. Ich war mit dem Gastvater, dem kleinen Gastbruder und den beiden Ponys Haruka und Hangetsu oben auf dem Obasute-Tempel! Es war ein sonniger, schöner Tag heute und ich habe viele Fotos gemacht (und nicht wundern, wenn manche Bilder solche komischen Bildunterschriften haben. Ich war nämlich heute so ganz kreativ und habe einigen Titel gegeben. Mal auf Englisch, mal auf Deutsch, mal auf Japanisch, wie sichs am besen anhört eben).
Aber nun zum eigentlichen Sinn dieses Eintrags: Ich möchte mal ein wenig die japanische Schrift und Sprache vorstellen! Alles weiß ich natürlich längst noch selber nicht, aber eine kleine Einführung in die unterschiedlichen Schriftarten kann ich schon geben. Ich bemüh mich mal, das Ganze nicht zu lang zu machen. Also, los gehts:
Die japanische Schrift und Sprache besteht aus 3 Schriftsystemen, die sich in zwei große Gruppen teilen lassen: Die Kanji (Schriftzeichen) und die Kana. Sie werden alle zusammen benutzt und jedes System hat seine eigene Aufgabe und Bedeutung! Damit man sich das besser vorstellen kann, erläuter' ich das jetzt noch ein wenig genauer. Fangen wir mit der größten Gruppe an:
Kanji
Kanji sind die Schriftzeichen, die die Ausländer immer als "chinesische Zeichen" beschreiben. Sie wurden von den Japanern komplett in ihrem Aussehen, aber nicht immer in ihrer Bedeutung von den Chinesen geklaut. Jedes Zeichen beschreibt hierbei ein Wort (manchmal gibt es auch mehrere Bedeutungen, die irgendwie in Zusammenhang miteinander stehen). Zum Beispiel bedeutet toshi (年) "Jahr" und getsu/gatsu (月) "Monat" bzw. "Mond" (da früher die Monate anhand des Mondes abgelesen wurden). Öfters werden auch Kanji kombiniert (z.B. gibt es jetzt nicht ein extra-Zeichen für "Feuerlöscher", dafür muss man drei Kanji hintereinander schreiben = 消火器).
Fast jedes Kanji hat im Japanischen zwei Aussprachemöglichkeiten, die man Lautungen nennt, die On- und die Kun-Lautung. Die On-Lautung entspricht der chinesischen Aussprache und ist meistens kürzer. Die Kun-Lautung ist die rein japanische Aussprache und ist meist etwas länger. Man kann sich als Faustregel aufstellen, dass ein Kanji in Verbindung mit einem anderen (sodass beide ein Wort bilden) On und alleinstehend Kun gelesen werden.
Kanji sieht man in Japan sehr häufig. Manchmal erscheint es zwar etwas umständlich, diese ganzen Striche zu zeichnen, aber Schüler etc. nutzen sie auch fast immer, weil es einfach übersichtlicher ist, als alles in Kana zu schreiben. Viele Kanji haben nämlich dieselbe Aussprache und unterscheiden sich nur im Aussehen. Jedes Kanji kann auch alternativ zu seiner "richtigen" Schreibweise auch in Hiragana geschrieben werden (dazu später).
Kana
Die Kana teilen sich in zwei Unterarten: Hiragana und Katakana. Das sind zwei Silbenalphabete, die von den Japanern erfunden wurden. Sie ersetzen die Funktionen, die im Japanischen nicht durch Kanji wiedergegeben werden können (z.B. Großteile der Grammatik).
Hiragana
(Siehe hier: Hiragana-Tabelle)
Hiragana sind 46 eigene "Schriftzeichen", die jeweils eine Silbe symbolisieren. Sie werden in sogenannten "Reihen" georndet und beginnen mit der a-Reihe (a, i, u, e, o), auf die die ka-Reihe (ka, ki, ku, ke, ko) flogt und enden mit der Silbe n. Sie werden dazu genutzt, "japanische" Wörter asuzudrücken (jedes Kanji kann auch in Hiragana wiedergegeben werden) und haben auch sehr große grammatische Funktionen!
Auf Japanisch kann man keinen Konsonant außer "n" alleine aussprechen! Es muss immer noch ein Vokal dahinter, ansonsten gehts nich. Es ist weiterhin zwar ein Gerücht, dass die Japaner statt "r" immer "l" sagen, aber ein richtiges "r" können sie dann doch nicht und es ist immer so eine Mischung aus beiden Buchstaben.
Mithilfe von zwei kleinen Strichen oder einem Punkt in der oberen rechten Ecke kann man bei bestimmten Hiragana auch die Aussprace von weich in hart und umgedreht verwandeln (z.B. wird "ta" mit zwei Strichen obendran zu "da" und "fu" mit einem Punkt zu "pu").
Es gibt auch kleine Buchstaben, aber die werden nur genommen, um z.B. Laute wie das "kyo" in "Toyko" zu ermöglichen ("ki" + kleines "yo").
Hiragana kommen in Japan auch ziemlich häufig vor, da sie oft in Verbindung mit Kanji stehen. Außerdem werden sie sehr oft für kleine Kinders anstatt der Kanji genutzt (da Grundschüler meistens nur Kana können).
Übrigens kann man zwar eigentlich keinen Konsonanten alleine sprechen, aber manchmal wird dann doch einfach was weggelassen, sodass sich z.B. "Watashi wa Toshiki desu." (Ich bin Toshiki) wie "Watashi wa Toshki des." anhört
Katakana
(siehe hier: Katakana-Tabelle)
Katakana haben dieselbe Aussprache wie die Hiragana-Silben und genausoviele Zeichen, sehen aber anderst aus. Sie werden laut offizieller Angabe dazu genutzt, um Eigen- und Fantasienamen und ausländische Begriffe wiederzugeben. Ich bin jedoch der Meinung, dass sie ausschließlich dazu erschaffen wurden, um problemlos Wörter aus dem Englischen klauen zu können.
Das ist wirklich so, und manchmal ist das schon echt nicht mehr schön. Die Japaner verhunzen die Wörter so enorm, um sie an das Japanische anzupassen und sagen sie am Ende doch irgendwie auf Englisch. Beispiele?
"Erebeetah" für Elevator (Aufzug), "Mai-nass" für Minus (englische Aussprache von Minus) und "Sutoa" für Store (Geschäft, Laden). Es gibt übrigens auch ein paar wenige Exemplare, die von den Deutschen übernommen wurden! Zum Beispiel "Arubeito" (von Arbeit) für "Nebenjob" und "Gaisuto" (von Geist) für...ja, für "Geist" eben.
Außerdem kann man mit Katakana noch was Tolles anstellen: Man kann für japanische Verhältnisse abgefahrene Aussprache-Stunts machen. Wirklich, es gibt Sachen, die kann man nur in Katakana schreiben.
Zum Beispiel die Silbe "ti"...gibts in Hiragana und Kanji nicht, weil sie überall durch "chi" ersetzt wird, und man darf sie auch nicht irgendwie erfinden. Mit Katakana schreibt man einfach "te" + kleines "i" und schon hat sich's!
Affenstark!
Dasselbe geht auch mit she, tu, vo, si und noch vielen anderen!
So. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, wie das hier so abläuft! Die Kana hab ich im Moment schon ganz gut drauf, aber die Kanji sind für mich im Moment noch das Grauen. Nur ganz wenige kann ich bis jetzt lesen (und dann haben sie meistens auch immer noch so viele Ausspracheweisen...argh).
Also, bis dann irgendwann mal wieder!
Sonntag, 11. Oktober 2009
Samstag, 3. Oktober 2009
Hier könnte ihre Werbung stehen
(Als Titel jetzt mal ganz spontan so einen Schenkelklopfer für Beinlose gewählt, weil mein Gehirn gerade nichts kreatives ausspucken möchte, es sei mir verziehen)
Herrje, ich habe jetzt erstmal wieder gemerkt, wie lange der letzte Eintrag schon her ist. Da muss wohl wohl oder übel was Neues her (ich weiß, es ist irgenwie immer dieselbe Einleitung, aber irgendwie fällt mir nichts besseres ein).
Ja. Zunächst einmal gibt es zu sagen, dass ich jetzt nach langem Hin und Her einem Schulclub beigetreten bin! Naja, letztendlich war die Auswahl sowieso nicht mehr allzu groß, der Bogenschießen-Club war schon zu vollgestopft, und in allen anderen, die mich interessierten, waren nur drei bis vier Leute, also musste ich dann wohl am Ende einen nehmen: Den Brass Band Club.
Seit ungefähr anderthalb Wochen gehe ich da jetzt schon regelmäßig hin, und die üben ganz schön hart! Nicht nur, dass es erst einmal generell zweieinhalb Stunden am Tag sind, oft ist das Ziel auch eine Aufführung oder ähnliches. Ich hab' keine Ahnung, ob ich als Quereinsteiger da so unbedingt mithalten kann...für das aktuelle Stück (ich weiß nicht, ob sie das aufführen wollen oder nicht) habe ich mir einfach erst mal die einfachsten Noten geben lassen. Die Länge ist natürlich ungewohnt. Nach der Schule noch bis gegen sieben in der Schule zu bleiben, ist schon manchmal echt ein Härtetest. Besonders schlimm ist es an Freitagen nach dem Aufstehen, wo man aufmacht und weiß, dass man heute trotz herrannahendem Wochenende noch bis abends in der Schule ist - schrecklich. Die Schulstunden vorher ziehen sich dann wie Kaugummi, der Club selbst ist dann aber wieder vollkommen okay - wenn man erst mal dabei ist, kommt es einem gar nicht mehr so lange vor (trotzdem bin ich jedes mal froh, meine Klarinette am Freitagabend zusammenpacken zu dürfen).
Der Club übt sogar teilweise am Wochenende! Das ist mir dann doch irgendwo ein bisschen zu krass, deswegen mach ich die Proben da nicht mit (zumindest generell nicht, wenn ich wirklich eines Tages mal mit dem Club einen Auftritt habe, werde ich mich schlecht drumrumreden können), zumal auch das Wochenende immer ziemlich gefüllt ist.
Überhaupt hab' ich in Japan irgendwie einen viel volleren Terminkalender. Meinen Timer benutz' ich trotzdem nicht...manchmal sind die Gasteltern so lustig drauf und wecken mich einfach am Samstag um 8 und werfen mir irgendwelche Zeiten an meinen halb verschlafenen Kopf, die dann ungemütlicherweise meistens immer nur rund eine Stunde entfernt liegen. Mittlerweile frage ich die Gastmutter am Wochenende immer über den nächsten Tag aus, am besten Zeitangaben; so sehr hab' ich mich jetzt schon darüber aufgeregt.
Aber so nervig es manchmal auch sein mag - wenn meine fünf Minuten verflogen sind, find ich es eigentlich immer toll, dass sich meine Gastfamilie so gut um mich kümmert und versucht, mir so viele Eindrücke wie möglich zu geben.
Kyûdo mach' ich übrigens trotzdem, auch wenn mir der überlaufene Schulclub es mir gewissermaßen etwas vermiest hat. Jeden Mittwoch gegen Abend übe ich jetzt hier in einem kleinen Dojo in der Nähe - geschossen hab' ich allerdings noch nicht. Man muss einen unheimlichen Aufstand machen, bevor man sich in der richtigen "Schussposiotion" befindet, und das muss natürlich auch gelernt sein.
Und noch was zum heutigen Tag: Heute war "Undokai", eine Art Sportfest, dass von dem Kamiyamada-Bezirk ausging. Das scheint in Japan relativ verbreitet zu sein.
Gleich nach dem Aufstehen (diesmal war ich clevererweise vorbereitet) ging es also los. Schauplatz des Ganzen war wieder der Schulhof der Grundschule meines Gastbruders, wo auch schon das Schul-Sportfest stattgefunden hatte.
Die Kamiyamada-Region teilt sich nochmal in kleinere Gebiete auf, und danach waren die einzelnen "Athleten" geordnet. Ich und meine Gastfamilie gehörten zum "Onsen-Team".
Zuerst gab es eine ziemlich langweilige Eröffnungszeremonie, bei der man sich erstmal ordentlich die Beine in den Bauch stand. Irgendwie scheinen Japaner ein Faible für langwierige Reden zu haben: Mindestens zehn verschiedene Leute hielten kleine Eröffnungsreden und die Namen aller Gäste wurden mit glänzender Korrektheit von einer Sprecherin vorgelesen, die anscheinend nach der Stimme zu urteilen auch nicht gerade pünktlich aus den Federn gekommen war.
Sobald das überstanden war, war es jedoch ganz lustig. Wie sich herausstellte, ist Undokai eher so etwas wie ein Turnier für nicht so ganz ernst gemeinte Sportarten. Beispiele wären da "Trommelrollen" (keine Ahnung, ob's wirklich so heißt, aber man musste mit einem trommelartiges Gebilde möglichst schnell Runden drehen), "Eierlauf" und "Wettrennen mit zusammengebundenen Füßen" (immer vier Leute waren hintereinander aneinandergebunden).
Auch ich hab ein paar Sachen mitgemacht, hier ein Foto von mir als heldenhafter Athlet der Disziplin "Wasser mit einer Teetasse möglichst schnell in zehn Meter entfernte Flaschen umfüllen" (was für ein epischer Name):
Wir haben da zwar verloren, und auch noch in ein paar anderen Sachen, aber eigentlich ging es weniger ums Gewinnen als um den Spaß. Es wäre sowieso schwer gewesen, die Teams gleichmäßig und gleichstark zusammenzustellen, denn es war einfach alles zusammengewürfelt - von Erstklässlern bis hin zu den Großeltern von denselbigen war alles dabei.
Ansonsten geht es mir soweit ganz gut. Zumindest kann man sich nicht wirklich beklagen. Was vielleicht noch erwähnenswert ist: In Japan ist derzeit Taifun-Saison. Starke Regenfälle und Windböen sind also an der Tagesordnung - nicht aber in Nagano (irgendwie komisch, erst was zu sagen und es dann gleich wieder zu verneinen, aber was solls). Die Berge schützen uns hier einigermaßen vor den Wettergewalten, aber ein- zweimal hab' ich auf dem Schulweg auch schon...nasse Überraschungen erleben müssen (besonders toll, wenn man keine Jacke oderso mithat).
Überhaupt sind in Japan die Launen von Mutter Erde viel bedrohlicher als in Deutschland. Was es hier nicht alles geben kann - Erdbeben, Flutwellen, Taifune und all diesen Kram, da muss man irgendwie nur noch schmunzeln, wenn man an "Schneechaos in Deutschland" denkt. Ich hab sogar schon mal ein Erdbeben miterlebt, was aber leider so schwach war, dass es mich noch nicht mal aus dem Schlaf gerissen hat. Hm, naja, bei einer zweiten Überlegung vielleicht auch ganz gut so.
So, und das wars vorerst mal wieder. Ich versuche mal, den nächsten Eintrag etwas früher als diesen hier einzuliefern, wobei natürlich auch hierfür wieder keinerlei Gewehr (absichtlich falsch geschrieben *hust*) besteht. Bilder vom Undokai werd' ich jetzt auch noch im Webalbum hochladen, wo das ist, solltet ihr ja langsam wissen.
Bis zum näxten mal!
Herrje, ich habe jetzt erstmal wieder gemerkt, wie lange der letzte Eintrag schon her ist. Da muss wohl wohl oder übel was Neues her (ich weiß, es ist irgenwie immer dieselbe Einleitung, aber irgendwie fällt mir nichts besseres ein).
Ja. Zunächst einmal gibt es zu sagen, dass ich jetzt nach langem Hin und Her einem Schulclub beigetreten bin! Naja, letztendlich war die Auswahl sowieso nicht mehr allzu groß, der Bogenschießen-Club war schon zu vollgestopft, und in allen anderen, die mich interessierten, waren nur drei bis vier Leute, also musste ich dann wohl am Ende einen nehmen: Den Brass Band Club.
Seit ungefähr anderthalb Wochen gehe ich da jetzt schon regelmäßig hin, und die üben ganz schön hart! Nicht nur, dass es erst einmal generell zweieinhalb Stunden am Tag sind, oft ist das Ziel auch eine Aufführung oder ähnliches. Ich hab' keine Ahnung, ob ich als Quereinsteiger da so unbedingt mithalten kann...für das aktuelle Stück (ich weiß nicht, ob sie das aufführen wollen oder nicht) habe ich mir einfach erst mal die einfachsten Noten geben lassen. Die Länge ist natürlich ungewohnt. Nach der Schule noch bis gegen sieben in der Schule zu bleiben, ist schon manchmal echt ein Härtetest. Besonders schlimm ist es an Freitagen nach dem Aufstehen, wo man aufmacht und weiß, dass man heute trotz herrannahendem Wochenende noch bis abends in der Schule ist - schrecklich. Die Schulstunden vorher ziehen sich dann wie Kaugummi, der Club selbst ist dann aber wieder vollkommen okay - wenn man erst mal dabei ist, kommt es einem gar nicht mehr so lange vor (trotzdem bin ich jedes mal froh, meine Klarinette am Freitagabend zusammenpacken zu dürfen).
Der Club übt sogar teilweise am Wochenende! Das ist mir dann doch irgendwo ein bisschen zu krass, deswegen mach ich die Proben da nicht mit (zumindest generell nicht, wenn ich wirklich eines Tages mal mit dem Club einen Auftritt habe, werde ich mich schlecht drumrumreden können), zumal auch das Wochenende immer ziemlich gefüllt ist.
Überhaupt hab' ich in Japan irgendwie einen viel volleren Terminkalender. Meinen Timer benutz' ich trotzdem nicht...manchmal sind die Gasteltern so lustig drauf und wecken mich einfach am Samstag um 8 und werfen mir irgendwelche Zeiten an meinen halb verschlafenen Kopf, die dann ungemütlicherweise meistens immer nur rund eine Stunde entfernt liegen. Mittlerweile frage ich die Gastmutter am Wochenende immer über den nächsten Tag aus, am besten Zeitangaben; so sehr hab' ich mich jetzt schon darüber aufgeregt.
Aber so nervig es manchmal auch sein mag - wenn meine fünf Minuten verflogen sind, find ich es eigentlich immer toll, dass sich meine Gastfamilie so gut um mich kümmert und versucht, mir so viele Eindrücke wie möglich zu geben.
Kyûdo mach' ich übrigens trotzdem, auch wenn mir der überlaufene Schulclub es mir gewissermaßen etwas vermiest hat. Jeden Mittwoch gegen Abend übe ich jetzt hier in einem kleinen Dojo in der Nähe - geschossen hab' ich allerdings noch nicht. Man muss einen unheimlichen Aufstand machen, bevor man sich in der richtigen "Schussposiotion" befindet, und das muss natürlich auch gelernt sein.
Und noch was zum heutigen Tag: Heute war "Undokai", eine Art Sportfest, dass von dem Kamiyamada-Bezirk ausging. Das scheint in Japan relativ verbreitet zu sein.
Gleich nach dem Aufstehen (diesmal war ich clevererweise vorbereitet) ging es also los. Schauplatz des Ganzen war wieder der Schulhof der Grundschule meines Gastbruders, wo auch schon das Schul-Sportfest stattgefunden hatte.
Die Kamiyamada-Region teilt sich nochmal in kleinere Gebiete auf, und danach waren die einzelnen "Athleten" geordnet. Ich und meine Gastfamilie gehörten zum "Onsen-Team".
Zuerst gab es eine ziemlich langweilige Eröffnungszeremonie, bei der man sich erstmal ordentlich die Beine in den Bauch stand. Irgendwie scheinen Japaner ein Faible für langwierige Reden zu haben: Mindestens zehn verschiedene Leute hielten kleine Eröffnungsreden und die Namen aller Gäste wurden mit glänzender Korrektheit von einer Sprecherin vorgelesen, die anscheinend nach der Stimme zu urteilen auch nicht gerade pünktlich aus den Federn gekommen war.
Sobald das überstanden war, war es jedoch ganz lustig. Wie sich herausstellte, ist Undokai eher so etwas wie ein Turnier für nicht so ganz ernst gemeinte Sportarten. Beispiele wären da "Trommelrollen" (keine Ahnung, ob's wirklich so heißt, aber man musste mit einem trommelartiges Gebilde möglichst schnell Runden drehen), "Eierlauf" und "Wettrennen mit zusammengebundenen Füßen" (immer vier Leute waren hintereinander aneinandergebunden).
Auch ich hab ein paar Sachen mitgemacht, hier ein Foto von mir als heldenhafter Athlet der Disziplin "Wasser mit einer Teetasse möglichst schnell in zehn Meter entfernte Flaschen umfüllen" (was für ein epischer Name):
Wir haben da zwar verloren, und auch noch in ein paar anderen Sachen, aber eigentlich ging es weniger ums Gewinnen als um den Spaß. Es wäre sowieso schwer gewesen, die Teams gleichmäßig und gleichstark zusammenzustellen, denn es war einfach alles zusammengewürfelt - von Erstklässlern bis hin zu den Großeltern von denselbigen war alles dabei.
Ansonsten geht es mir soweit ganz gut. Zumindest kann man sich nicht wirklich beklagen. Was vielleicht noch erwähnenswert ist: In Japan ist derzeit Taifun-Saison. Starke Regenfälle und Windböen sind also an der Tagesordnung - nicht aber in Nagano (irgendwie komisch, erst was zu sagen und es dann gleich wieder zu verneinen, aber was solls). Die Berge schützen uns hier einigermaßen vor den Wettergewalten, aber ein- zweimal hab' ich auf dem Schulweg auch schon...nasse Überraschungen erleben müssen (besonders toll, wenn man keine Jacke oderso mithat).
Überhaupt sind in Japan die Launen von Mutter Erde viel bedrohlicher als in Deutschland. Was es hier nicht alles geben kann - Erdbeben, Flutwellen, Taifune und all diesen Kram, da muss man irgendwie nur noch schmunzeln, wenn man an "Schneechaos in Deutschland" denkt. Ich hab sogar schon mal ein Erdbeben miterlebt, was aber leider so schwach war, dass es mich noch nicht mal aus dem Schlaf gerissen hat. Hm, naja, bei einer zweiten Überlegung vielleicht auch ganz gut so.
So, und das wars vorerst mal wieder. Ich versuche mal, den nächsten Eintrag etwas früher als diesen hier einzuliefern, wobei natürlich auch hierfür wieder keinerlei Gewehr (absichtlich falsch geschrieben *hust*) besteht. Bilder vom Undokai werd' ich jetzt auch noch im Webalbum hochladen, wo das ist, solltet ihr ja langsam wissen.
Bis zum näxten mal!
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