Mittwoch, 30. Dezember 2009

Weihnachten und das ganze Zeug

So, knapp vor dem neuem Jahr muss natürlich auch noch schnell ein Eintrag her, ich kann es ja nicht auf mir sitzen lassen, im Dezember nur einen Eintrag verfasst und meine Gäste, die mein anscheinend exorbitant interessantes Leben regelmäßig verfolgen, in der Wüste der Nichtinformation (ist das überhaupt ein Wort? Egal.) verdursten lassen zu haben!

Bevor ich allerdings mit den heißesten Breaking News beginne, erst einmal vielen, vielen Dank an alle, die mir E-Mails, Karten, und Päckchen zu Weihnachten geschickt haben! Ich muss das jetzt hier erstmal so pauschal formulieren, ich werde alle meine Schreibkräfte verausgaben, möglichst vielen zurückzuschreiben, aber mitunter werden Wartende sich wohl leider etwas gedulden müssen, denn Neujahr ist ja nicht unbedingt eine Zeit des Jahres, in der man untätig Zuhause rumschimmelt. Und haha, diesmal ist damit sogar ein meines Erachtens nach annehmbarer, flüssiger Übergang zum Hauptteil entstanden! Ich werde mit der Zeit besser, ich merks!

Die letzten Ereignisse liegen teilweise schon einige Zeit zurück. Da wäre zunächst einmal das Eislaufen (bzw. Schlittschuhlaufen, aber das war so ein langes Wort, das ich zu faul war, es zu schreiben) in der M-WAVE, einer Halle, in der damals Eishockey und Eisschnelllauf im Rahmen der olympischen Winterspiele 1998 stattfanden! So episch man es sich vorstellen mag, so monumental kommt es dann gar nicht rüber. Eigentlich ziemlich ernüchternd sogar. Hier ein Bild von mir und Masahiko vor dem Nagano-Olympische-Winterspiele-Symbol!


Das Laufen auf dem Eis an sich war dann um einiges schwieriger, als die Halle zu beurteilen, denn zuvor war ich nur zwei oder dreimal auf den Kufen gewesen. Damals konnte ich es eigentlich ganz passabel, aber das ist natürlich schon so vergleichsweise lange her, dass meine Langzeiterinnerung die Methode, wie man ebendies tat, in die Schublade "unwichtig" geschoben hatte. Aber irgendwo tief in den Windungen meines Denkapparats ließ sich dann doch noch etwas zusammenkratzen, sodass ich nach ein paar Stunden immerhin schon mit dem Gastbruder mithalten konnte, ohne allzuviele Unfälle zu erleiden (einmal habe ich mir aber unglücklich das Knie gestoßen, was Tage später noch in den Knochen saß). Aber allzu viele Worte will ich jetzt darüber nun auch nicht verlieren, deswegen zum Schluss noch ein, logischerweise, abschließendes Bild:


Der nächste Punkt wäre dann wohl Weihnachten. Auf die Gefahr hin, alle Erwartungen restlos zu enttäuschen, muss ich sagen, dass man hier in Japan kaum was von gemerkt hat. Ich habe den Verdacht, dass die Gasteltern sogar diesmal nur wegen mir Weihnachten "gefeiert" haben, Weihnachten ist hier eben nur so was wie eine Art Halloween in Deutschland für kleine Kinder, ein Fest, das man eben kopiert, weils ganz lustig aussieht, mehr aber auch nicht. Am Heiligabend haben die Kinder (also auch ich) Geschenke untereinander ausgetauscht, ich bekam an diesem Abend einen "Hanten", so eine Art Winterkimono für männliche Wesen (die für Frauen sind gar nicht mehr so winterlich, da sie Schlitze unter den Achseln haben und viel dünner sind)!
Dadurch sehe ich jetzt sogar aus wie ein richtiger Japaner!


Zu Weihnachten selber gab es keinen Schnee, aber ungefähr eine Woche davon fielen die weißen Flocken gar fürchterlich vom Firmament. Eines Wochendendes unternahm ich einen kurzen Ausflug in die Nachbarpräfektur Niigata, und da ging einem der Schnee mitunter bis...ähh, ich bin unfähig, es zu beschreiben, guckt einfach hier:


Na gut, so atemberaubend ist es jetzt nicht, ich gebs ja zu. Zumal ich gehört habe, dass es in Deutschland dieses Jahr ziemlich kalt sein soll, kälter als in Nagano! In Japan war es immer ziemlich nah am Gefrierpunkt, der hier im Übrigen sinnigerweise "Hyôten", also "Punkt des Eises", heißt, aber ich schweife schon wieder ab, eigentlich ging es ja um Weihnachten.
Am nächsten Tag also lagen bei mir noch ein paar Geschenke im Zimmer rum, denn da sich die Japaner nicht entscheiden können, ob sie es lieber wie die Amis oder doch anders machen sollen, gibts eben eine Mischung aus beidem! Diese Geschenke kamen von den Gasteltern und waren ein Shogi-Spiel (ist wie Schach, nur trickreicher) und ein Bilderbuch über irgendwelche japanischen Bräuche.
Was jetzt wie ein langweiliger Bericht klingen mag, war aber auf keinen Fall so! Obwohl das typische "Weihnachts-Flair" gefehlt hat, war es dennoch schön! In der Klasse gab es auch eine kleine Weihnachtsfeier, wo die große Raubtierfütterung mit selbstgemachten Plätzchen stattfand.
Ja, ich habe in der Vorweihnachtszeit selber Plätzchen gebacken! Ganz profane Butterplätzchen, die wirklich mehr "Butter" als alles andere waren, aber anscheinend waren sie so außerirdisch lecker, dass sich alle wie die Geier draufstürzten. Naja, was schlechtes ist es ja immerhin schonmal nicht. Die Gelegenheit dieser Feier habe ich dann auch gleich beim Schopfe gepackt und der Klasse eine neue Version meines Deutschland-Vortrags vorgesetzt, sämtlich auf Japanisch!
Bevor es weitergeht, noch ein Bild von Japan im Winter (Teil des Zenkoji-Tempels, Nagano).


Der Rest des Eintrags bezieht sich dann wohl auf die unmittelbaren Ereignisse. Tja, was gibts so zu erzählen? Am 27. begannen die Winterferien, und sogar der Brass Band Club hat es fertig gebracht, seine Mitglieder in aller seiner Gnadengestalt für rund eine Woche komplett in die Ferien zu entlassen! Das ist so unfassbar, das es an ein Wunder grenzt. Ich freue mich aber im Moment wieder sogar auf den Beginn, obwohl er mit der Zeit etwas nervig geworden ist, denn nach den Ferien steht "Chihiros Reise ins Zauberland" auf dem Plan.
In den Ferien selber hat es sich bisher so mittelmäßig ereignisreich abgespielt. Zwei Tage habe ich weitgehend mit Schlafen, Essen und Lesen verbracht - LIMIT von Frank Schätzing ist einfach toll (bekam ich von meiner Familie in Deutschland quasi als Weihnachtsgeschenk, wenn auch schon etwas früher), unglaublich fesselnd. Ich bin schon bei Seite vierhundertnochwas von tausendundwasweißich.

Aber natürlich wäre es ja sinnlos, die so heiß erwarteten Ferien fern von allen Japanern abgeschieden in meinem schön beheizten Zimmerchen zu verbringen! Gestern war die Familie, die für mich auch relativ am Anfang meiner Japanzeit eine Art Willkommensparty gemacht hatte, bei den Heißen-Quellen-Großeltern zu Gast, da am Abend eine Art Familienfeier stattfinden sollte, an deren Grund ich mich nicht mehr erinnern kann, nur, dass es unter anderem mit dem Geburtstag des größeren Gastbruders, Shunichi, zu tun hatte. Wie auch immer, es war sehr schön an dem Abend! Die "Kinder" haben hauptsächlich UNO nach dem Essen gespielt, das, nebenbei bemerkt, durchweg französischer Küche war und daher unausweichlicherweise auch die von den Japanern so heiß geliebten Austern enthielt. Aber ich hab mich an diesen Abend mal überwunden und alles (fast) kommentarlos an Essen geschluckt. Das Menü hatte fünf Gänge oderso, und am Ende konnte ich noch nicht mal mehr mein Dessert aufessen, weil ich ansonsten geplatzt wäre.
Es stellte sich heraus, dass eine der älteren Töchter der Familie der Schwester meines Gastvaters (eine herrliche Familienkonstellationsbeschreibung - und schon wieder ein zu langes Wort...) vor ein paar Jahren mal in Amerika war, sodass ich quasi auf Englisch reden konnte und einen Übersetzer auf Beinen hatte, sehr praktisch! Auch wenn ich natürlich keineswegs die Absicht hatte, irgendjemanden als laufendes Wörterbuch zu missbrauchen. Und eigentlich soll ich ja auch mehr Japanisch sprechen. Worum ich mich nach Kräften bemühe. Aber wenn sich schon einem die verlockende Möglichkeit auftut...

So, und das war es auch erstmal wieder, und ich beende meinen Eintrag wie immer mit denselben Wörtern, es ist zu verzweifeln, aber es will einfach nichts anderes in meinen Kopf, was als Schluss passen könnte. Bleibt mir noch noch, allen, die dies hier lesen, ein

Frohes neues Jahr

zu wünschen!

Bis dann irgendwann mal wieder!

Montag, 14. Dezember 2009

Attention space travellers

Es wird mal wieder Zeit für ein Update!
Im Dezember habe ich mir bis jetzt ja schon einiges an Zeit gelassen.
Langsam wird es hier wirklich ziemlich kalt, auch wenn wir im Tal noch keine einzige Flocke an Schnee hatten. Aber mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren wird mittlerweile schon zu einer echten Überwindung. Ich mach das jetzt nur noch, wenn es unbedingt nötig ist, die 40 Minuten bis zur Schule sind dann doch schon sehr lang. Außerdem braucht dieser Moloch von einem Fortbewegungsmittel, den ich hier habe, mindestens eine halbe Stunde, um in den ersten Gang (von drei) zu schalten. Wenn er Lust hat, braucht er auch mal länger, aber nur, wenn ich gerade einen Berg hochfahre und Gegenwind habe. Grrrr.

Aber egal, kommen wir zu etwas erfreulicherem. In diesem Eintrag soll es hauptsächlich um die Tokyo-Fahrt gehen! Sie ging vom 12. bis 13. Dezember und beinhaltete unter anderem den Tokyo Tower, die Abschiedsparty für einen der Austauschschüler und Disneyland (YAY)! Und weil mir jetzt (wie immer) nichts mehr für die Einleitung einfällt, fang ich eben gleich wieder an:

Der ganze Spaß begann erstmal sehr früh. Früher als sonst zumindest. So gegen fünf bin ich aufgestanden, denn der Zug vom Obasute (sprich: "Obasste") Bahnhof ging schon um sieben und ich kenn mich ja selber, wie lange ich immer in den heißen Quellen bleibe (im Winter ist das einfach so herrlich). Naja, das ganze übliche morgendliche Gewusel muss ich jetzt ja nicht im Detail schildern, auf jeden Fall ging es früh genug los und ab in den Zug. Na gut, eigentlich war ich viel zu früh dran und musste noch eine halbe Stunde warten...aber hey, immerhin besser, als später zu kommen! Was ich natürlich schlauererweise vergessen hatte, war mein Geschenk, dass wir zu der Fahrt mitbringen sollten. Das bemerkte ich aber erstmal gar nicht...jaja, ich Blitzmerker.
Lustig war es aber, dass ich die ganze Fahrt von Chikuma nach Matsumoto irgendwie kostenlos bekam. Natürlich vollkommen unwissentlich meines Handelns! Mein Gastvater gab mir bei der Abreise halt irgendsoein Ticket, und bei meiner Ankunft in Matsumoto schob ich es einfach in so eine Ticketmaschine, die in keinster Weise meckerte. Dabei war das Ticket gar nicht bezahlt, da es in Obasute keine "normalen" Tickets gibt (fragt mich nicht, wieso). Schon seltsam, aber beschweren kann man sich nicht.
Nunja, als ich dann also im Bahnhof angekommen war, ging ich in Richtung ARUPUSU GUCHI, wie es mir mein Gastvater gefühlte achtzig mal gesagt hatte, und traf auch gleich auf Mr Akabane, einer der Rotary-Betreuer ("Betreuer" ist eigentlich ein dämliches Wort, aber mir fällt kein anderes ein) und Spencer, einen der Austauschschüler. Um gleich mal vornewegzugreifen: Insgesamt waren wir fünf "ausländische" Schüler, zwei aus Amerika (Spencer und Christine), einer aus Australien (Mark) und zwei aus Deutschland (Anna und eine...mysteriöse, weitere Person, deren Namen niemand weiß). Außerdem waren noch zwei japanische Outbounds dabei, die nächstes Jahr beide nach Amerika wollen. Hätten wir das.
Nach und nach trudelte auch der Rest ein (bis auf Anna und einen der Japaner, die später noch dazu kommen sollten) und nach einer kurzen Pause im Bahnhof ging es weiter. Der restliche Weg sollte mit dem Auto gefahren werden.
Hier wird es erst einmal unspektakulär (falls man die bisherigen Ereignisee mit "spektakulär" beschreiben kann...). Es war eben eine recht lange Fahrt, ich denke so um die drei Stunden, bis wir in der Hauptstadt ankamen. Dann ging es aber auch gleich los!

Das erste Ziel war der Tokio Tower. Er ist genau wie der Eifelturm, nur anders.
Unter anderem ist dieses Gebäude ein Markenzeichen von Tokio und namhafte TV- und Radiosender...senden von dort aus. Es gibt zwei Plattformen, eine in 150 und eine in 250 Meter Höhe. Insgesamt ist der Turm 333 Meter groß!

Der Tokio Tower von unten. Wie ihr seht, ist er hoch...und orange.

Wir fuhren natürlich nach ganz oben! Zuerst ging es logischerweise auf die untere Plattform, und selbst von dort aus hatte man schon eine unglaubliche Rundumsicht. Kleine Fenster waren im Boden eingelassen, durch die man 150 Meter nach unten sehen konnte. Und es gab dort sogar einen Shinto-Schrein, der, ich zitiere: "Wüsche erfüllt und bei anstehenden Prüfungen hilft." Ja, die Shintogötter helfen wirklich bei fast allem, man muss nur zehn Yen reinwerfen, zweimal klatschen und sich verbeugen!^^
Auf der zweiten Plattform war es dann eben fast dasselbe. Weil es sinnlos ist, das alles irgendwie sonstwie beschreiben zu wollen, hier ein paar Bilder:

Auf der zweiten Plattform. Linker Hand unten ist ein Tempel zu sehen, geradeaus die tokyoter (klingt wie Kojote) Bucht.

Das große Tokyo beim groß sein.

Von rechts nach links (ganz japanisch): Koyama; Spencer; Christine; Mark; Anna; ein ominöser Fremder, der sich ganz frech ins Bild gestellt hat; und Yûda (von den Japanern kenn ich nur die Nachnamen)

Soviel zum Eifelturm Tokyos. Danach ging es in die "Downtown" Asakusa (sprich "Assaksa"), wo wir einen Tempel besuchten und ein wenig bummelten sowie auf die Ginza, einer berühmten Einkaufsstraße in Tokyo, bevor wir uns dann zum Abendessen in ein Restaurant begaben. Dies sollte die Abschiedsfeier von Mark sein (er hat noch 35 Tage, bevor er nach Australien zurückgeht!). Dadurch hab ich erst nochmal gemerkt, wie schnell die Zeit hier eigentlich vergeht. Ich bin ja jetzt selber schon knapp vier Monate hier. Waaaaaaah! Ich will den Kalender ändern oderso!
Das Essen, gab einige seltsame Sachen wie Haifischflossen- und Krabbensuppe (die aber durchaus lecker war) her sowie alt aussehende Eier, die aber eigentlich nur in Sojasoße gekocht waren.
Danach wurde spontan noch entschieden, zur Karaoke zu gehen! Es war mein erstes mal hier in Japan, und anfangs war ich mir noch ein wenig unsicher, ob ich mir was trauen würde, aber schlussendlich muss man in Japan sowieso irgendwann mal da hin, egal wie sehr man sich drückt. Mit dem "muss" soll jetzt aber nicht abgedeutet werden, dass es nicht lustig war, im Gegenteil. Anscheinend sind die beiden deutschen Lieder "99 Luftballons" und "Moskau" (von Dschingis Kahn) in Japan sehr bekannt. Okay, das Lied von Nena kann man ja noch nachvollziehen, aber Letzteres? Wie dem auch sei, es war auf jeden Fall ganz witzig (falls es wen interessiert: Ich habe "How many roads", "Everybody was Kung Fu fighting" und eben "Moskau" gesungen.).

Am nächsten Tag dann (nachdem wir im Hotel Toyoko-Inn übernachtet hatten) gingen wir ins Tokyoer Disneyland! Als ich das vor der Fahrt erfahren hatte, war mir das ein wenig suspekt vorgekommen, aber es scheint eine Art "Tradition" von Rotary zu sein. Mark (der Austauschschüler aus Australien) war schon mindestens fünf mal dort, zwei mal mit Rotary, und deswegen brauchten wir auch quasi keine Karte um uns zurechtzufinden oderso.

Der "Tokyo Disneyland Resort"

Und...Schloss Neuschwanstein (PLAGIAT!!!!!111einself)

Wir hatten für das Disneyland fünf Stunden Zeit. Und wir schafften es, sage und schreibe, DREI Attraktrionen zu "besuchen" (besichtigen?) Ja, so war es. Die Gleichung "Disneyland + Vorweihnachtszeit + Wochenende" MUSS ja wohl anscheinend in "Menschenmassen" resultieren, das hätte man sich auch vorher schon denken können. Und so kam es, dass man vor jedem Ding mindestens eine Stunde warten musste, egal, wo man sich umsah. Sogar vor Popcornbuden standen riesige Schlangen.
Wir waren im "Pirates of the Carribean" (Rundfahrt in einer...Höhle), "Big Thunder Mountain" (eine Art Achterbahn) und im Space Mountain -

ATTENTION SPACE TRAVELLERS
Space Mountain is a thrilling high-speed, roller-coaster type attraction in the dark which includes sharp turns, sudden lifts, drops, and stops.
To ride, you should be in good health. Guest with:
-High blood pressure
-Heart, back or neck problems
-Motion sickness
and other problems that may be aggravated by this adventure should not ride.
Expectant mothers and guests of advanced age should not ride.
Please keep children spervised at all times.
Children age seven or younger need to be accompanied by a person age 16 or older.
Guests who don't meet the minimum height requirement of 102 centimeters may not ride. Please notice that the height checker in front of this attraction may forbid people of certain body shapes or heights from riding.
You may have to evacuate on foor in case of emergency.

...
Das ist es, was sich nach gefühlten anderthalb Stunden stehen ins Gedächtnis einprägt (das Ganze hat sogar den Titel dieses Eintrags erobert). Die Sicherheitsdurchsagen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass Space Mountain - nebenbei ein echt geiler Name, im All gibt es ja, wie jedes Kind weiß, ganze Gebirgsketten - gar nicht so schlimm war, wie es dort beschrieben wurde. Anscheinend ist das Taktik, um Gäste abzuschrecken und so die Warteschlange zu verkleinern. Wenn es das sein sollte, funktioniert es leider nicht.

"Big Thunder Mountain"

Mickey!
(Nein, ich kenne die Person im Vordergrund nicht xD)


Übrigens möchte ich einmal gesagt haben, dass ich nicht gerne den Job von dem armen Typen hätte, der da den Micky mimt. Geld hin oder her - das Disneyland hat ganzjährig geöffnet. Jeden - Tag - im - Jahr. Und jeden dieser Tage tausende von hungrigen, raubtierähnlichen Touristen und Besuchern, die dich zerfleischen, wenn du nicht auf ein Foto mit ihnen willst.
Grausamer Job. Grausam, sage ich.

Die Rückfahrt verlief dann wieder recht ereignislos, und schon sind wir am Ende dieses Eintrags angekommen. Ich weiß nicht mehr, was ich noch schreiben soll, außer dass es ein lohnendes Wochenende war (und diesmal bei WEITEM nicht so stressig wie die Okinawafahrt, zum Glück).
Ich hoffe, ihnen hat dieser kleine Exkurs in meine neulichen Erlebnisse gefallen und ich freue mich, wenn sie das nächste mal wieder vorbeischauen!
Bis dahin, näch?

Montag, 23. November 2009

Die Affen sind los

Ich wollte nur mal so als Randbemerkung reinstellen, dass ich soeben neue Bilder in dem Webalbum hochgeladen habe. Sie stammen von dem kleinen Trip vom letzten Wochenende, an dem ich zusammen mit dem Gastvater und Masahiko (kleiner Gastbruder) bei den berühmten "Snow Monkeys" im "Höllental-Park" war. Diese Affen sind deswegen in aller Munde, weil sie eben dort in den Bergen in der kalten Jahreszeit in den heißen Quellen baden!
Die "Closeup"-Photos sind im Übrigen nicht sonstwie rangezoomt oder nachher bearbeitet, man konnte wirklich so nah an die Affen ran. Die Tiere dort haben sich so sehr an die Menschen gewöhnt, dass man sie theoretisch hätte berühren können, was man aber nicht durfte. Ist ja auch besser so.

Irgendwie ungwohnt, so ein schnelles Update gab es glaub' ich seit dem August nicht mehr. Aber da wir in der Schule heute überraschenderweise wegen Influenza (Schweinegrippe und das ganze unerfreuliche Zeug) mal eben so 'ne Woche frei bekommen haben, kann man sich das ja auch mal erlauben. :3

Freitag, 20. November 2009

Die Reise in Okinawa

So! Es ist Zeit für ein neues Update!
Dreimal dürfen sie nun raten, worum sich dieser Eintrag drehen wird. Sie kommen nicht drauf? Um die Klassenfahrt nach Okinawa! Und es geht gleich los.

Die Leser, die noch nicht wissen sollten, wo sich dieses Eiland befindet, können sich im Übrigen HIER weiterbilden.
Okinawa ist die südlichste Präfektur Japans und gleichzeitig die einzigste subtropische Region, die ebenjenes Land zu bieten hat. Sie ist nach der Hauptinsel benannt. Okinawa war früher mal ein eigenes Königreich, wo es natürlich noch nicht Okinawa hieß, sondern den klangvollen Namen "Königreich der Ryukyus" trug, der viel mit Japan, China und anderen asiatischen, aber auch einigen westlichen Ländern handelte. Irgendwann und irgendwie konnte sich jedoch Japan diese Region zueigen machen und wurde seit der Meiji-Periode auf die "Präfektur Okinawa" getauft.
Okinawa ist ein beliebtes Reiseziel für Japaner, da es für sein beständig warmes Klima und seine Strände bekannt ist. Viele Japaner gehen dorthin in den Urlaub, worauf sich natürlich alles spezialisiert hat - Okinawa (zumindest aus meiner Ansicht) lebt zum Großteil von bloßem Tourismus.
Meine Reise mit der Klasse ging über 4 Tage, am Montag, dem 09.11.09 ging es los.

Der erste Tag war relativ hektisch und bestand weitestgehend aus der Hinreise. Zuallererst ging es in aller Frühe mit der Shinano-Linie von Chikuma nach Ueda, wo sich die Klasse versammeln würde. Nachdem sich alle eingetroffen hatten, nahmen wir den Shinkansen - geradewegs nach Tokyo. Die Fahrt an sich war gemütlich, es kam einem aber sehr kurz vor (der Shinkansen braucht nur rund eine Stunde von hier bis in die Hauptstadt).
In Tokyo angekommen, ging es gleich weiter, mit dem "Monorail" bis zum bisherigen nationalen Flughafen Haneda, der zurzeit aber auch in einen internationalen umgebaut wird. Auf dem folgenden Bild ist die Haltestation vom Monorail zu sehen, wo wir gerade warten. Das in der Mitte ist meine Homeroom-Lehrerin ("Klassenlehrerin).

(Anmerkung: Ja, wir mussten fast zu jeder Zeit diese komischen Masken tragen. Die Japaner machen hier eine extreme Panik wegen der jährlichen Grippe + Schweinegrippe. War ziemlich nervig.)

Nonstop wurde in Haneda weitergemacht. Die ganze zweite Klassenstufe (rund 300 Schüler) drängte sich durch den halben Flughafen, bekam ein paar Instruktionen, und schließlich wurde uns auch unser O-Bento (Lunchbox) fürs Flugzeug ausgegeben. Die großen Koffer hatten die Leute von der Schule alle schon vorher verschickt, deswegen dauerte es nicht so lange, bis wir dann endlich im Flugzeug saßen. Für viele aus meiner Klasse war das ihr erster Flug überhaupt!
Ich hatte übrigens Glück, auf dem Hinflug einen Fensterplatz zu haben (etwas bis dahin nie Dagewesenes). Während des Fluges hab ich aber nicht ein einziges Bild von den tollen Wolken gemacht, weil ich mir irgendwie nie sicher war, ob das nun erlaubt war oder nicht, in der Broschüre stand es ist erlaubt, das Instruktionsvideo sagte, es sei verboten. Naja, man muss ja auch nicht von allem Bilder haben.

Den Flughafen in Naha, der Hauptstadt von Okinawa, erreichten wir nach ca. 1 1/2 Stunden Flug. Sofort schlug einem hier schwüles, warmes Klima entgegen, woran man sich erstmal gewöhnen musste, denn in Nagano war und ist es jetzt zuweilen manchmal schon ziemlich kalt. Ohne auch nur auf die Toilette gehen zu können (!) wurden wir gleich weitergeschleust in sieben Busse, einen für jede Klasse, und fuhren zur Himeyuri-Gedenkstätte.
Wirklich. Wenn Japaner etwas gut können, dann ist es Zeitpläne möglichst stressig gestalten. Wir hatten (außer Abends in den Hotels) eigentlich kaum zwischendrin mal Zeit, entweder waren wir im Bus, also auf dem Weg von einer Sache zur anderen, oder wir haben uns irgendwas angeguckt. Es ist ja klar, dass man möglichst viel sehen will, aber wenn ich den "Timetable" mal mit unserer London-Fahrt in der Achten vergleiche, war alles wirklich extrem eng geplant.

Die Himeyuri-Gedenkstätte liegt nicht fern von Naha und ist ein Platz der Erinnerung an 222 Schülerinnen und 18 Lehrern von zwei Schulen in Okinawa, die im zweiten Weltkrieg während der "Schlacht von Okinawa" (einzigster Bodenkampf auf japanischem Territorium im pazifischen Krieg) die verwundeten Soldaten aufgrund mangelnder Alternativen in natürlich geformten Höhlen, sogenannten Gama, verartzteten. Schlussendlich, als Japan dabei war, die Schlacht zu verlieren, wurden sie kurzerhand von der Regierung "entlassen" und waren nun zwischen den Fronten eingeschlossen und ausgeliefert. Fast alle dieser Schülerinnen starben.
Wir besuchten die Gedenkstätte und direkt danach das dazugehörige "Himeyuri Friedensmuseum".


Nachdem wir dort gewesen waren, fuhren wir mit den Bussen zurück nach Naha, wo wir noch die Rede einer ehemaligen Schülerin aus dem "Himeyuri-Schüler-Korps" hörten. Verstanden habe ich leider nichts - alles auf Japanisch, versteht sich.

Danach teilten sich die Klassen auf, um an verschiedenen Orten Abendbrot zu essen. Klasse 6 (der ich angehöre) ging in eine Art Fischrestaurant, wo man Hummer sogar lebendig essen konnte. Aber wir bekamen "nur" Steak. War mir ehrlich gesagt auch lieber. Das tolle an der Sache war, dass alles auf dem Tisch, wo man saß, von den Köchen zubereitet wurde!
Letztendlich gingen wir nur noch in das "Hotel Nikko". Unsere Koffer waren schon da, und wir gingen recht früh schlafen, denn am nächsten morgen hieß es schon wieder um sechs frühs aufzustehen.

Der Vormittag des Dienstages war noch einmal dem Thema "Krieg in Okinawa" zugeordnet. Wir besuchten den Friedenspark und ein weiteres Museum ganz an der Südspitze von Okinawa, wo sich damals viele Zivilisten, die im Kampf eingeschlossen waren, von einer nahen Klippe gestürzt hatten. Im Park selbst waren überall schwarze Steinplatten aufgestellt, auf denen die Namen japanischer, amerikanischer und britischer Soldaten eingraviert waren, die im zweiten Weltkrieg gefallen waren. Noch heute kommt jedes Jahr ein Name dazu.


Danach ging es aber wieder ruckzuck weiter! Wieder alle in die Busse und los. Das nächste Ziel war Iejima, eine kleine Insel, und dafür galt es, einmal quer von Süden nach Norden über ganz Okinawa zu fahren. Sonderlich lange dauerte es jedoch nicht. Zwischendrin gab es einen kurzen halt an einem wohlbekannten Aussichtspunkt. War das Wetter noch ziemlich bewölkt gewesen, als wir am Vortag ankamen, klarte es nun zunehmend auf und es wurde ganz schön heiß. An diesem Punkt gab es wirklich einiges Schönes zu sehen, wie das hellblaue Wasser oder die bizarr geformten Klippen (eine sah wie ein Elefant aus, aber es ist nicht die auf dem unteren Bild^^).


Als wir an der Nordspitze waren, stand auch schon eine Fähre für uns bereit, die uns nach Iejima übersetzen sollte. Rund eine Stunde mussten wir noch warten, und die Überfahrt dauerte auch noch einmal rund eine halbe Stunde. Dann waren wir aber endlich angekommen und wurden von den Inselbewohnern begrüßt. Die hatten in letzter Zeit echt viel zu tun, denn viele Schulen machten zu der Zeit Ausflüge nach Okinawa. Viele Schüler kamen also nach Iejima, und oft viele (wie gesagt, wir waren ~300) und das, obwohl die ganze Insel gerade mal aus einem Dorf besteht.
Für einen Tag bekamen wir dann Gasteltern zugeteilt. Immer 5 oder 4 Leute mussten in eine Familie, eben weil es so wenig Einwohner gab. Das Resultat war dann, dass man eigentlich überall wo man hinging mindestens fünf andere Schüler aus unserer Schule sah.
Da es aber mittlerweile nun schon später Nachmittag/Abend war, fuhr uns unser Gastvater nur noch nach Hause, wo wir dann Barbecue aßen. Es gab Sashimi (roher Fisch), verschiedene grillbare Fleischsorten und Muscheln. Mit letzteren kann ich mich immer noch nicht anfreunden, auch wenn mir mein Gastvater hier in Chikuma die ganze Zeit einredet, wie toll Austern doch schmecken.


Der nächste Tag stand frühs zur freien Verfügung, bis man uns mit der Fähre wieder übersetzen würde. Der Gastvater hatte eigentlich vor, mit uns Tauchen & Fischen zu gehen, was aber aufgrund eines starken Winds und relativ hohen Wellen aber leider nicht machbar war. So sahen wir uns einige Stellen an der Küste genauer an, unter anderem Höhlen, die direkt ans Meer grenzten und größtenteils aus versteinerten Korallen bestanden. Dann fuhren wir einfach immer weiter wahllos über die Insel und sahen uns verschiedene Sachen an (so viel war es zugegebenermaßen nun auch nicht) und schließlich durften wir noch einmal im Meer baden.
Schließlich gingen wir dann jedoch wieder zur Fähre, verabschiedeten uns von unseren Gasteltern und es ging wieder Richtung "Festland" (falls man das so nennen kann, aber letztendlich sind ja auch Kontinente nichts anderes als riesige Inseln x_O).
Die vorletzte Station auf unserer Reise sollte nämlich das berühmte Chiraumi Aquarium in Norden Okinawas sein, dessen "Markenzeichen" und bestbekannter Fisch der Walhai ist, der größte Fisch auf der Welt, den es überhaupt gibt.

Die Fahrt dauerte nicht lange, und es ging wieder sofort weiter. Wir hatten nämlich eine ganze Stunde für das gesamte riesige Aquarium Zeit. Hatte ich schon erwähnt, dass ich das Gehetze ziemlich nervtötend fand? Nichtsdestotrotz war natürlich das, was ich sah, sehr interessant. Es gab verschiedene Abteilungen, in denen jeweils Fische anderer Gegenden zu sehen waren. Auch ein Tiefsee-Aquarium gab es, unter anderem mit Fischen, die ihre Augen als Laternen benutzen!
Ich spar mir jetzt einfach mal die Worte und stell ein paar Bilder rein:


Danach ging es wieder in ein Hotel, uns am nächsten Tag mussten wir schon wieder um sechs aufstehen (*ächz*)! Das sollte der letzte Tag, Donnerstag, sein, und weil das ja ansonsten alles verschwendete Zeit gewesen wäre, musste natürlich noch eine Sehenswürdigkeit so schnell und blitzartig wie möglich besichtigt werden. Die Wahl der Veranstalter war auf das "Shuri-jo" (Schloss von Shuri) gefallen. Insgesamt gibt es dazu nicht so viel zu sagen. Es war zur Zeit des Ryukyu-Königreiches der Sitz des Königs, der jedes Jahr neu vom chinesischen Kaiser ernannt wurde (oder so).
Insgesamt war dieser Teil der Reise wohl am hektischsten, man hatte wieder nur knapp eine Stunde für das gesamte Ding und drängelte sich eher in so einem Touristenstrom mit, als das ganze sich überhaupt wirklich anzugucken. Deswegen hab ichs gemacht wie der klischeehafte Japaner: Überall langrennen, nicht gucken, nur Photos (mit Ph) machen und wieder raus. Anders wäre es auch fast gar nicht gegangen.



Was danach noch kam, war dieselbe Prozedur wie beim Hinflug. Flughafen, ein bisschen warten, ab ins Flugzeug (diesmal ohne Fensterplatz für mich) und wieder zurück. Komischerweise nahmen wir bei der Rückfahrt keinen Shinkansen, sondern einmal mehr Busse, wodurch sie Ankunft in Chikuma auf den späten Abend verlegte und ich danach eigentlich nur noch erschöpft ins Bett fiel.

Fazit: Stressig, aber schön! Wäre der Zeitplan nicht so dermaßen eng gewesen, wäre es noch toller gewesen, aber man kann eben nicht alles haben. Die Fahrt war es aber auf jeden Fall wert, auch, um sich noch mehr in die Klasse einzufinden und sich mit den Leuten besser zu verstehen! Es war also im großen und ganzen eine lohnende Reise mit vielen Eindrücken, Erfahrungen und Photos (x_O).

Und das soll es fürs erste gewesen sein.

Bis zum näxten mal!

Dienstag, 3. November 2009

Der Schulweg

Da der Autor dieses Blogs schon beim Titel sehr unkreativ war, ist es ihnen nun überlassen, sich an DIESER Stelle eine eigene, interressante und humorvolle Einleitung vorzustellen, die ihnen Lust bereitet, den gesamten folgenden Eintrag mit unglaublicher Aufmerksamkeit zu lesen.

So, wie der Titel bereits sagt, in diesem Eintrag geht es um den Schulweg. War eigentlich unnötig, das zu erwähnen, aber wie auch immer - wir beginnen schnurstracks und ohne weitere Verzögerung!


Der Start- und Endpunkt meines täglichen Weges ist natürlich das Haus meiner derzeitigen Gastfamilie (aka DIE KIRCHE). Das Foto hier ist die Frontseite. Ich nehme jetzt (von hier aus gesehen zumindest) den linken Abzweig. Ein kleiner "Konsum" ist gleich an der Straßenecke, und dann geht es auch schon auf die Hauptstraße der Kamiyamada-Onsen! Da fahr' ich erstmal eine Weile lang. Ist soweit ganz angenehm, da es einen Fahrrad/Fußgängerweg gibt. Lediglich die Einteilung der "Fahrstreifen" leuchtet mir nicht so ganz ein, einer ist total klein, zu klein für Fahrräder als auch für Fußgänger, und der andere zu groß, und es ist nervig, wenn man immer wieder auf die Trennlinie kommt.













Dann gehts erst mal beim Kamiyamada-Hotel (wo meine Gasteltern beide arbeiten, auf dem zweiten Bild links zu sehen) rechts rein. Es folgt ein Kreuz und quer aus recht kleinen, aber ruhigen Straßen, aber vielen Hotels, die alle relativ dicht beieinander stehen. Hier befindet sich dann auch das Gebäude, wo ich immer zu den örtlichen Rotary-Clubtreffen hingehe.
Im Endeffekt komme ich dann doch wieder auf die Hauptstraße und nähere mich dann der Taishô-Brücke, die über den Chikuma-Kawa führt.


Dazu muss im übrigen noch gesagt werden, dass heute ein wunderschöner Tag war. Man hätte ohne Probleme und Bearbeitung einen Werbespot für die Region drehen können. Die Berge hatten allesamt oben eine weiße Krone (wie in dem Bild oben zu sehen), es war sehr sonnig und der Wind scharf, aber in der Jacke keiner Rede wert. Ich hab bestimmt fünfzig Bilder oderso von dieser Szenerie gemacht, nur ist der Großteil davon dank Gegenlicht nüchts geworden. Tja, man kann ja nicht alles haben.
Wie auch immer, nachdem ich den Fluss überquert habe, komme ich zum "Togura Principal Office" (im Bild der dekorative weiße Klotz rechts im Hintergrund), um dort abermals nach links abzubiegen. Von da an wird die Strecke ein wenig öde, es geht dauernd nur geradeaus, eine ziemlich lange Zeit. An der Straßenseite trifft man überall die (jetzt leeren) kleinen Reisfelder an, und allgemein ist alles recht trostlos.


Nach einer gefühlten Ewigkeit beginnt mein Weg mich wieder in kleinere Straßen zu führen. Ab jetzt benutze ich nur noch zu kleineren Teilen die Hauptstraße und halte mich bei Abzweigen eigentlich fast immer rechts. Die Hälfte des Weges wird ungefähr von der Straßenkreuzung "Imojiya" (ein Name, der selbst für Japaner schwierig zu schreiben ist) markiert, wo vor kurzer Zeit ein netter Lebensmittelmarkt "Harashin" aus dem Boden gestampft wurde. Danach gehts links rum (ich glaube das letzte Mal) und weiter geradeaus.
Auf dem folgenden Bild ist Imojiya zu sehen.


Der nächste und eigentlich auch schon letzte signifikante Punkt ist der Yashiro-Bahnhof. Wenn ich mit dem Zug zur Schule fahre, muss ich an der Station danach aussteigen (Name: Yashirokôkô-mae, "Vor der Yashiro-Highschool").


So, und jetzt gibts eigentlich gar nicht mehr so viel zu sagen. Es geht noch einmal eine ganze Weile geradeaus, dann kommen noch die "gefährlichsten" Punkte, so zwei Stellen, an denen der Zug die Hauptstraße kreuzt und ich eben immer aus den kleinen Straßen nebendran rauskomme. Aber wirklich wild ist es jetzt nicht. Nach der zweiten Kreuzung kommen noch ein Torii-Tunnel (auf dem nächsten ersten Bild rechts) und eine Art Transformator-Elektro-Ding, keine Ahnung was genau, und dann ist man auch schon da!

(Entschuldigung übrigens für die komische Bildformatierung, aber in dem Blog ist das irgendwie ein bisschen schwierig zu machen...)
Im Durchschnitt dauert der ganze Spaß so rund 40 Minuten, wenn man nicht sonderlich aufgehalten wird. Im Moment fahre ich nahezu immer noch mit dem Fahrrad, aber es ist schon ziemlich kühl und ihr werden demnächst wohl öfters mal auf den Zug umsteigen (da muss ich allerdings dann früher aufstehen...)

Und das war es auch erstmal wieder! Im Oktober war ich ein bisschen faul, ich werd' mal sehen, ob ich diesen Monat ein kleines bisschen mehr posten kann. Aber zur Okinawa-Reise, die übrigens am nächsten Montag beginnt, wird es garantiert einen Eintrag geben...:)

Sonntag, 11. Oktober 2009

Special: Kanji und Kana!

So, jetzt mach ich keine große Einleitung, sondern fang einfach mal gleich an. Wie ich anfangen würde, wisst ihr ja eh schon.

Diesmal gibt es mal ausnahmsweise keinen Bericht der letzten Ereignisse...sondern ein "Special"! Yay!
Wer möchte, kann sich auch im Webalbum die neuen Bilder (von heute) ansehen. Ich war mit dem Gastvater, dem kleinen Gastbruder und den beiden Ponys Haruka und Hangetsu oben auf dem Obasute-Tempel! Es war ein sonniger, schöner Tag heute und ich habe viele Fotos gemacht (und nicht wundern, wenn manche Bilder solche komischen Bildunterschriften haben. Ich war nämlich heute so ganz kreativ und habe einigen Titel gegeben. Mal auf Englisch, mal auf Deutsch, mal auf Japanisch, wie sichs am besen anhört eben).
Aber nun zum eigentlichen Sinn dieses Eintrags: Ich möchte mal ein wenig die japanische Schrift und Sprache vorstellen! Alles weiß ich natürlich längst noch selber nicht, aber eine kleine Einführung in die unterschiedlichen Schriftarten kann ich schon geben. Ich bemüh mich mal, das Ganze nicht zu lang zu machen. Also, los gehts:

Die japanische Schrift und Sprache besteht aus 3 Schriftsystemen, die sich in zwei große Gruppen teilen lassen: Die Kanji (Schriftzeichen) und die Kana. Sie werden alle zusammen benutzt und jedes System hat seine eigene Aufgabe und Bedeutung! Damit man sich das besser vorstellen kann, erläuter' ich das jetzt noch ein wenig genauer. Fangen wir mit der größten Gruppe an:

Kanji

Kanji sind die Schriftzeichen, die die Ausländer immer als "chinesische Zeichen" beschreiben. Sie wurden von den Japanern komplett in ihrem Aussehen, aber nicht immer in ihrer Bedeutung von den Chinesen geklaut. Jedes Zeichen beschreibt hierbei ein Wort (manchmal gibt es auch mehrere Bedeutungen, die irgendwie in Zusammenhang miteinander stehen). Zum Beispiel bedeutet toshi (年) "Jahr" und getsu/gatsu (月) "Monat" bzw. "Mond" (da früher die Monate anhand des Mondes abgelesen wurden). Öfters werden auch Kanji kombiniert (z.B. gibt es jetzt nicht ein extra-Zeichen für "Feuerlöscher", dafür muss man drei Kanji hintereinander schreiben = 消火器).
Fast jedes Kanji hat im Japanischen zwei Aussprachemöglichkeiten, die man Lautungen nennt, die On- und die Kun-Lautung. Die On-Lautung entspricht der chinesischen Aussprache und ist meistens kürzer. Die Kun-Lautung ist die rein japanische Aussprache und ist meist etwas länger. Man kann sich als Faustregel aufstellen, dass ein Kanji in Verbindung mit einem anderen (sodass beide ein Wort bilden) On und alleinstehend Kun gelesen werden.
Kanji sieht man in Japan sehr häufig. Manchmal erscheint es zwar etwas umständlich, diese ganzen Striche zu zeichnen, aber Schüler etc. nutzen sie auch fast immer, weil es einfach übersichtlicher ist, als alles in Kana zu schreiben. Viele Kanji haben nämlich dieselbe Aussprache und unterscheiden sich nur im Aussehen. Jedes Kanji kann auch alternativ zu seiner "richtigen" Schreibweise auch in Hiragana geschrieben werden (dazu später).

Kana

Die Kana teilen sich in zwei Unterarten: Hiragana und Katakana. Das sind zwei Silbenalphabete, die von den Japanern erfunden wurden. Sie ersetzen die Funktionen, die im Japanischen nicht durch Kanji wiedergegeben werden können (z.B. Großteile der Grammatik).

Hiragana
(Siehe hier: Hiragana-Tabelle)
Hiragana sind 46 eigene "Schriftzeichen", die jeweils eine Silbe symbolisieren. Sie werden in sogenannten "Reihen" georndet und beginnen mit der a-Reihe (a, i, u, e, o), auf die die ka-Reihe (ka, ki, ku, ke, ko) flogt und enden mit der Silbe n. Sie werden dazu genutzt, "japanische" Wörter asuzudrücken (jedes Kanji kann auch in Hiragana wiedergegeben werden) und haben auch sehr große grammatische Funktionen!
Auf Japanisch kann man keinen Konsonant außer "n" alleine aussprechen! Es muss immer noch ein Vokal dahinter, ansonsten gehts nich. Es ist weiterhin zwar ein Gerücht, dass die Japaner statt "r" immer "l" sagen, aber ein richtiges "r" können sie dann doch nicht und es ist immer so eine Mischung aus beiden Buchstaben.
Mithilfe von zwei kleinen Strichen oder einem Punkt in der oberen rechten Ecke kann man bei bestimmten Hiragana auch die Aussprace von weich in hart und umgedreht verwandeln (z.B. wird "ta" mit zwei Strichen obendran zu "da" und "fu" mit einem Punkt zu "pu").
Es gibt auch kleine Buchstaben, aber die werden nur genommen, um z.B. Laute wie das "kyo" in "Toyko" zu ermöglichen ("ki" + kleines "yo").
Hiragana kommen in Japan auch ziemlich häufig vor, da sie oft in Verbindung mit Kanji stehen. Außerdem werden sie sehr oft für kleine Kinders anstatt der Kanji genutzt (da Grundschüler meistens nur Kana können).
Übrigens kann man zwar eigentlich keinen Konsonanten alleine sprechen, aber manchmal wird dann doch einfach was weggelassen, sodass sich z.B. "Watashi wa Toshiki desu." (Ich bin Toshiki) wie "Watashi wa Toshki des." anhört

Katakana
(siehe hier: Katakana-Tabelle)
Katakana haben dieselbe Aussprache wie die Hiragana-Silben und genausoviele Zeichen, sehen aber anderst aus. Sie werden laut offizieller Angabe dazu genutzt, um Eigen- und Fantasienamen und ausländische Begriffe wiederzugeben. Ich bin jedoch der Meinung, dass sie ausschließlich dazu erschaffen wurden, um problemlos Wörter aus dem Englischen klauen zu können.
Das ist wirklich so, und manchmal ist das schon echt nicht mehr schön. Die Japaner verhunzen die Wörter so enorm, um sie an das Japanische anzupassen und sagen sie am Ende doch irgendwie auf Englisch. Beispiele?
"Erebeetah" für Elevator (Aufzug), "Mai-nass" für Minus (englische Aussprache von Minus) und "Sutoa" für Store (Geschäft, Laden). Es gibt übrigens auch ein paar wenige Exemplare, die von den Deutschen übernommen wurden! Zum Beispiel "Arubeito" (von Arbeit) für "Nebenjob" und "Gaisuto" (von Geist) für...ja, für "Geist" eben.
Außerdem kann man mit Katakana noch was Tolles anstellen: Man kann für japanische Verhältnisse abgefahrene Aussprache-Stunts machen. Wirklich, es gibt Sachen, die kann man nur in Katakana schreiben.
Zum Beispiel die Silbe "ti"...gibts in Hiragana und Kanji nicht, weil sie überall durch "chi" ersetzt wird, und man darf sie auch nicht irgendwie erfinden. Mit Katakana schreibt man einfach "te" + kleines "i" und schon hat sich's!
Affenstark!
Dasselbe geht auch mit she, tu, vo, si und noch vielen anderen!

So. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, wie das hier so abläuft! Die Kana hab ich im Moment schon ganz gut drauf, aber die Kanji sind für mich im Moment noch das Grauen. Nur ganz wenige kann ich bis jetzt lesen (und dann haben sie meistens auch immer noch so viele Ausspracheweisen...argh).

Also, bis dann irgendwann mal wieder!

Samstag, 3. Oktober 2009

Hier könnte ihre Werbung stehen

(Als Titel jetzt mal ganz spontan so einen Schenkelklopfer für Beinlose gewählt, weil mein Gehirn gerade nichts kreatives ausspucken möchte, es sei mir verziehen)

Herrje, ich habe jetzt erstmal wieder gemerkt, wie lange der letzte Eintrag schon her ist. Da muss wohl wohl oder übel was Neues her (ich weiß, es ist irgenwie immer dieselbe Einleitung, aber irgendwie fällt mir nichts besseres ein).

Ja. Zunächst einmal gibt es zu sagen, dass ich jetzt nach langem Hin und Her einem Schulclub beigetreten bin! Naja, letztendlich war die Auswahl sowieso nicht mehr allzu groß, der Bogenschießen-Club war schon zu vollgestopft, und in allen anderen, die mich interessierten, waren nur drei bis vier Leute, also musste ich dann wohl am Ende einen nehmen: Den Brass Band Club.
Seit ungefähr anderthalb Wochen gehe ich da jetzt schon regelmäßig hin, und die üben ganz schön hart! Nicht nur, dass es erst einmal generell zweieinhalb Stunden am Tag sind, oft ist das Ziel auch eine Aufführung oder ähnliches. Ich hab' keine Ahnung, ob ich als Quereinsteiger da so unbedingt mithalten kann...für das aktuelle Stück (ich weiß nicht, ob sie das aufführen wollen oder nicht) habe ich mir einfach erst mal die einfachsten Noten geben lassen. Die Länge ist natürlich ungewohnt. Nach der Schule noch bis gegen sieben in der Schule zu bleiben, ist schon manchmal echt ein Härtetest. Besonders schlimm ist es an Freitagen nach dem Aufstehen, wo man aufmacht und weiß, dass man heute trotz herrannahendem Wochenende noch bis abends in der Schule ist - schrecklich. Die Schulstunden vorher ziehen sich dann wie Kaugummi, der Club selbst ist dann aber wieder vollkommen okay - wenn man erst mal dabei ist, kommt es einem gar nicht mehr so lange vor (trotzdem bin ich jedes mal froh, meine Klarinette am Freitagabend zusammenpacken zu dürfen).
Der Club übt sogar teilweise am Wochenende! Das ist mir dann doch irgendwo ein bisschen zu krass, deswegen mach ich die Proben da nicht mit (zumindest generell nicht, wenn ich wirklich eines Tages mal mit dem Club einen Auftritt habe, werde ich mich schlecht drumrumreden können), zumal auch das Wochenende immer ziemlich gefüllt ist.
Überhaupt hab' ich in Japan irgendwie einen viel volleren Terminkalender. Meinen Timer benutz' ich trotzdem nicht...manchmal sind die Gasteltern so lustig drauf und wecken mich einfach am Samstag um 8 und werfen mir irgendwelche Zeiten an meinen halb verschlafenen Kopf, die dann ungemütlicherweise meistens immer nur rund eine Stunde entfernt liegen. Mittlerweile frage ich die Gastmutter am Wochenende immer über den nächsten Tag aus, am besten Zeitangaben; so sehr hab' ich mich jetzt schon darüber aufgeregt.
Aber so nervig es manchmal auch sein mag - wenn meine fünf Minuten verflogen sind, find ich es eigentlich immer toll, dass sich meine Gastfamilie so gut um mich kümmert und versucht, mir so viele Eindrücke wie möglich zu geben.
Kyûdo mach' ich übrigens trotzdem, auch wenn mir der überlaufene Schulclub es mir gewissermaßen etwas vermiest hat. Jeden Mittwoch gegen Abend übe ich jetzt hier in einem kleinen Dojo in der Nähe - geschossen hab' ich allerdings noch nicht. Man muss einen unheimlichen Aufstand machen, bevor man sich in der richtigen "Schussposiotion" befindet, und das muss natürlich auch gelernt sein.

Und noch was zum heutigen Tag: Heute war "Undokai", eine Art Sportfest, dass von dem Kamiyamada-Bezirk ausging. Das scheint in Japan relativ verbreitet zu sein.
Gleich nach dem Aufstehen (diesmal war ich clevererweise vorbereitet) ging es also los. Schauplatz des Ganzen war wieder der Schulhof der Grundschule meines Gastbruders, wo auch schon das Schul-Sportfest stattgefunden hatte.
Die Kamiyamada-Region teilt sich nochmal in kleinere Gebiete auf, und danach waren die einzelnen "Athleten" geordnet. Ich und meine Gastfamilie gehörten zum "Onsen-Team".
Zuerst gab es eine ziemlich langweilige Eröffnungszeremonie, bei der man sich erstmal ordentlich die Beine in den Bauch stand. Irgendwie scheinen Japaner ein Faible für langwierige Reden zu haben: Mindestens zehn verschiedene Leute hielten kleine Eröffnungsreden und die Namen aller Gäste wurden mit glänzender Korrektheit von einer Sprecherin vorgelesen, die anscheinend nach der Stimme zu urteilen auch nicht gerade pünktlich aus den Federn gekommen war.
Sobald das überstanden war, war es jedoch ganz lustig. Wie sich herausstellte, ist Undokai eher so etwas wie ein Turnier für nicht so ganz ernst gemeinte Sportarten. Beispiele wären da "Trommelrollen" (keine Ahnung, ob's wirklich so heißt, aber man musste mit einem trommelartiges Gebilde möglichst schnell Runden drehen), "Eierlauf" und "Wettrennen mit zusammengebundenen Füßen" (immer vier Leute waren hintereinander aneinandergebunden).
Auch ich hab ein paar Sachen mitgemacht, hier ein Foto von mir als heldenhafter Athlet der Disziplin "Wasser mit einer Teetasse möglichst schnell in zehn Meter entfernte Flaschen umfüllen" (was für ein epischer Name):

Die Schriftzeichen bedeuten übrigens "Onsen"

Wir haben da zwar verloren, und auch noch in ein paar anderen Sachen, aber eigentlich ging es weniger ums Gewinnen als um den Spaß. Es wäre sowieso schwer gewesen, die Teams gleichmäßig und gleichstark zusammenzustellen, denn es war einfach alles zusammengewürfelt - von Erstklässlern bis hin zu den Großeltern von denselbigen war alles dabei.

Ansonsten geht es mir soweit ganz gut. Zumindest kann man sich nicht wirklich beklagen. Was vielleicht noch erwähnenswert ist: In Japan ist derzeit Taifun-Saison. Starke Regenfälle und Windböen sind also an der Tagesordnung - nicht aber in Nagano (irgendwie komisch, erst was zu sagen und es dann gleich wieder zu verneinen, aber was solls). Die Berge schützen uns hier einigermaßen vor den Wettergewalten, aber ein- zweimal hab' ich auf dem Schulweg auch schon...nasse Überraschungen erleben müssen (besonders toll, wenn man keine Jacke oderso mithat).
Überhaupt sind in Japan die Launen von Mutter Erde viel bedrohlicher als in Deutschland. Was es hier nicht alles geben kann - Erdbeben, Flutwellen, Taifune und all diesen Kram, da muss man irgendwie nur noch schmunzeln, wenn man an "Schneechaos in Deutschland" denkt. Ich hab sogar schon mal ein Erdbeben miterlebt, was aber leider so schwach war, dass es mich noch nicht mal aus dem Schlaf gerissen hat. Hm, naja, bei einer zweiten Überlegung vielleicht auch ganz gut so.

So, und das wars vorerst mal wieder. Ich versuche mal, den nächsten Eintrag etwas früher als diesen hier einzuliefern, wobei natürlich auch hierfür wieder keinerlei Gewehr (absichtlich falsch geschrieben *hust*) besteht. Bilder vom Undokai werd' ich jetzt auch noch im Webalbum hochladen, wo das ist, solltet ihr ja langsam wissen.

Bis zum näxten mal!

Mittwoch, 23. September 2009

Yasumi

Langsam wird es wohl mal wieder Zeit für einen Eintrag in meinen Blog und eine Zusammenfassung der Dinge, die in den letzten Tagen so geschahen. Wo am besten anfangen? Ah ja, genau.

Seit einem Monat und zwei Tagen bin ich nunmehr schon in Nippon, und für mich kommt es bestenfalls wie zwei Wochen vor. Die Zeit ist so schnell verflogen, das hätte ich mir nicht im geringsten gedacht. Immer wartete Neues auf mich.
So auch in letzter Zeit. Die letzten fünf Tage (Wochenende mitgerechnet) hatte ich frei, einmal war eine Art Tag zum Gedenken der alten Menschen (Am Montag) und heute eine Art japanisches Erntedankfest (Ômatsuri).
Vor zwei Tagen, am Tag meines exakt einmonatigen Aufenthalts, ging es am frühen Nachmittag erst einmal in die Schule meiner Gastschwester. Dort wurde ein Projekt präsentiert, das von einem ehemaligen Kunstlehrer gegründet worden war. Die Schüler hatten ihre Klassenräume als "Kunstobjekte" gestaltet, jeweils nach anderen Themen. Da gab es interessantes zu sehen, wie zum Beispiel einen dunklen Raum voller Kerzen; ein Raum für Zeichnungen (wo ich wieder an meine alte Vermutung denken musste, dass die Asiaten irgendsoein Zeichen-Gen haben müssen) und noch vieles mehr. Da die Schule vergleichsweise groß ist, konnte ich nicht alles sehen, aber es war sehr interessant und schön gestaltet.
Nachdem wir uns dann am späten Nachmittag etwas ausgeruht hatten, ging es gleich weiter
zu Verwandten der Wakabayashis. Die Schwester meines Gastvaters hatte für mich eine Art Willkommensparty organisiert (irgendwie seltsam, wieviele Leute ich noch nicht kenne, obwohl ich doch schon so "lange" hier bin). Das Essen war sehr lecker und ich habe das erste mal in meinem Leben Wii gespielt (höhö, ein Meilenstein in der Geschichte). Es war zwar etwas anders, als ich es mir vorgestellt hatte, aber doch ziemlich lustig. Ich war etwas verwundert, als wir noch so lange blieben, denn ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass wir die darauffolgenden drei Tage noch freihaben würden! Aber sobald ich es wusste, konnte ich beruhigt noch ein paar Runden spielen (im Bowling war ich ganz passabel).
Die Japaner verbinden anscheinend aber immer als allererstes Bier mit Deutschland. Wenn man sie nach einem typisch deutschem Fest fragt, kommt meistens ohne Umschweife "Oktoberfest", und ich muss erst mal allen klar machen, dass das nicht in jeder Region Deutschlands so üblich ist.

Die zwei Tage danach waren etwas entspannter. Am Montag, dem "Tag der alten Menschen" (oderso) waren wir nur abends bei den Großeltern, die auch die heiße Quelle besitzen, zum Abendessen eingeladen. Am Tag darauf hat sich das dann mit den anderen Großeltern nochmal wiederholt.

Heute jedoch war ein besonderer Tag. Zuerst mal war ich frühs ziemlich stinkig, da ich, obwohl ich nicht signifikant später als sonst ins Bett gegangen war, bis Mittag geschlafen hatte und gleich irgendwohin gezerrt wurde, ohne auch nur eine Chance auf eine Dusche oder dergleichen zu haben.
Mit der Zeit verflüchtigte sich das aber. An Ômatsuri, einem japanisches Fest, dass nur einmal im Jahr stattfindet und in etwa unserem Erntedankfest entspricht, wird der Beginn der Reisernte gefeiert. Da es ziemlich viele Schreine in den einzelnen Städten bzw. Bezirken gibt, spalten sich die Bewohner immer nach "ihren" Schreinen auf, weswegen es bei uns heute nicht so unglaublig viele Leute waren, aber immerhin genug, um den Platz vor dem Schreingebäude auszufüllen.
Es ging zunächst los mit einer kleinen Prozession auf den Schreinhügel. In dessen Mitte war schon ein kleiner Kampfring errichtet worden, denn heute sollte ein Sumo-Wettkampf stattfinden. Na gut, vielleicht nicht so ein typischer, "richtiger" Sumo-Wettkampf, es war eher ein Spaß-Event, für das sich einige angemeldet hatten. Auch Schulkinder haben mitgemacht!^^Nachdem die "großen" gegeneinander angetreten waren, wurden die einzelnen Klassenstufen ausgerufen. Der jeweilige Sieger der Runden bekam jeweils ein kleines Geschenk.
Wenn man sich solch einen Wettkampf mal mit eigenen Augen anschaut, sieht man, dass noch viel mehr als das bloße Antreten zweier Kämpfer dahintersteckt. Zumindest zuvor wird eine (aus meiner Sicht zumindest) recht komplizierte religiöse Zeremonie abgehalten, und der Kampfring quasi "eingeweiht".
Am Abend dann ging es noch weiter. Nachdem wir zum Mittagessen nach Hause gefahren waren, machten wir uns gegen sechs wieder auf zum Kamiyamada-Hotel. Dort sollte nämlich der Shishi, ein japanischer, tanzender Mythenlöwe, verbeikommen.
Zumindest ich fand die Vorstellung ziemlich komisch. Zu leicht schräger Bambus-Querflötenmusik tanzten zwei Leute unter einem Tuch und einer Drachenmaske, und nachher wurde jeder einmal mit der Holzschnauze am Kopf berührt, wobei man sich verbeugen musse. Schon komisch!
Anschließend fuhren wir wieder zum Schrein, während der Shishi weiter seine Runde durch den Kamiyamada-Bezirk machte. Dort fand unterdessen ein kleines Feuerwerk, eine Tombola und eine Vorführung einer Trommelgruppe statt. Ganz am Schluss kam der Shishi mitsamt seinem Laternenzug wieder zum Schrein hinauf und das Fest wurde mit einem erneuten Tanz beendet.

Und jetzt ratet mal, was sonst noch passiert ist.
Ich hab bei der Tombola sogar was gewonnen.
'N nagelneues Pokémonspiel für den DS. Auf Japanisch.
Suppor.
Wieso gewinne ich immer nur Sachen, die ich überhaupt nicht brauche?
Hier ist der Beweis:


Das war es erst einmal für die nächste Zeit. Die Bilder vom heutigen Tag stell' ich noch in so ein Picasa Webalbum (rechte Seite, ein Stück runterscrollen).

Mittwoch, 16. September 2009

Photoalben und so

Mal nur ganz kurz was: Ich hab' jetzt auch mal ein Picasa-Photoalbum (Ja, Photo mit "Ph"! Das liest sich sooo viel besser als "Foto") erstellt. Guckstu rechts an der Seite, 'nen Stück runter.

Vorerst ist es nur eins, und es sind noch nicht so viele unglaublich epische Bilder drin, aber es werden mit der Zeit sicherlich noch ein paar dazu kommen.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit. ;-P

Freitag, 11. September 2009

Es könnt' alles so einfach sein - isses aber nich

So, langsam wird es mal wieder Zeit für ein Blog-Update, es ist schon wieder ziemlich viel passiert und wie immer kann ich nur eine Kurzzusammenfassung der Erlebnisse schreiben (übrigens ist der Titel mal wieder schon so'n Halb-Crap, ich bin im Moment anscheinend in einer unkreativen Phase).
Seit 2 Wochen gehe ich jetzt in Japan schon in die Schule und in 9 Tagen bin ich exakt einen Monat in Japan. Hört sich lang an, für mich fühlt das aber eher mehr wie eine oder zwei Wochen an...

Zunächst einmal etwas zur Schule. Ich hab mich jetzt schon recht gut dran gewöhnt und auch den Schulalltag einigermaßen gemeistert. Wo ich wann hinzugehen habe, welche Bücher ich brauche etc. ist fast schon alles klar (nur bei Englisch bin ich immer noch verwirrt, die haben da tausend Bücher, von denen nur zwei überhaupt genutzt werden...). Der Schulweg gehört mittlerweile zur Routine.
Die Einwahl in einen der Schul-Clubs ist immer noch nicht gefallen (das sind einfach sowas wie AGs an deutschen Schulen, nur, dass sie jeden Tag stattfinden und stärkeren Zulauf haben. Sie gehören eben zur Schule dazu und nahezu alle Schüler gehören irgendeinem Club an). Im Moment tendiere ich aber eher zum Brass Band Club, da der Kyudo-Club (japanisches Bogenschießen) sehr überlaufen ist. Meine Gastmutter erkundigt sich, ob ich das möglicherweise "nebenbei" einmal die Woche machen kann, aber der Schulclub ist wirklich nicht so das Wahre (es können nämlich immer nur 5 Leute auf einmal schießen, und bis man da drankommt, dauert das schon ein bisschen).
Dem Brass-Band-Club hab' ich unter anderem auch einen Besuch abgestattet. Hier ein Bild mit allen "Klarinettenspielern" und mir (ich wie immer unfotogen, aber was solls):


Außerdem noch mal ein paar Bilder zu der Schule, damit man sich so vorstellen kann, wie das alles hier aussieht:

Das ist das "3. Gebäude" (mit dem Haupteingang) von vorne.

Hier sieht man einen Teil das Schulhofs und das "2. Gebäude" (in dem sich mein Klassenraum/Homeroom befindet)

Das ist mein Fahrradabstellplatz. Es kommen ziemlich viele mit dem Rad, deswegen gibt es 3 (?) solcher Abstellplätze, einer ist sogar zweistöckig (auf dem nächsten Bild rechts zu sehen).

Rechts der eine Abstellplatz und links ein Gebäude, in dem die Schuhschließfächer sind (man zieht spezielle Schuhe an, bevor man die Schule betritt).

Aber natürlich geht nicht nur immer alles rosig zu. Ein paar Tage liegt mein erster Konflikt mit meinem Gastvater/dem örtlichen Rotary Club zurück. Es ging dabei um die Frage, die sich schon gestellt hatte, bevor ich überhaupt nach Japan flog: Ob ich denn alle Stunden besuchen muss (also auch die, von denen ich keinen Deut verstehe). Auf diese Frage also, auf die Frage >>"Kann ich bestimmte Fächer "abwählen" und in der Zwischenzeit Japanisch lernen?"<< gab es zahlreiche Antworten, die anscheinend je nach Lust und Laune mal gewechselt wurden á la: Nein, Ja, Nein, Vielleicht, Unter der Bedingung, dass du uns Kekse bäckst, Ja, Vielleicht, Nein.
Bei letzterer ist es dann schlussendlich aber auch geblieben. Ich finde das irgendwie sehr fragwürdig (zumal ich die Japanischlernstunden wirklich sinnvoll hätte nutzen können), aber nachdem ich nach dem einen Tag, an dem ich den "Abwählplan" mal ausgetestet hatte, meinem Gastvater gegenübersaß, der obskure Argumentationsketten am Start hatte und total aus dem Häuschen war, hatte ich quasi schon verloren. Ich versuchte, ihm was entgegenzusetzen, aber auf einmal war das Besuchen aller Unterrichtsstunden eine unumstößliche Rotaryregel (ein Totschlagargument) und ich musste die weiße Fahne schwenken.
Wie schon gesagt, ich war überhaupt nicht seiner Meinung, aber bevor ich mir irgendwelchen größeren Ärger mit dem Rotary-Club hier aufhalse, langweile ich mir lieber in Stunden wie Erdwissenschaften oder japanische Geschichte 'nen Ast ab. Diese Fächer sind zwar durchaus interessant (vor allem japanische Geschichte), aber ich verstehe eben herzlich wenig und tue kaum mehr, als Löcher in die Luft zu starren und für mich unverständliche Zeichen auf Papier zu kopieren.
Also muss ich sehen, wie ich das mit dem Lernen anders auf die Reihe bekomme. Der Gastvater war ja so unendlich gütig und hat gesagt, ich könne in den Stunden, die ich nicht verstehe, Japanisch lernen - prima. Um das richtig zu lernen, muss man schon laut sprechen, und ich kann ja schlecht die ganze Zeit dem Lehrer dazwischenreden; außerdem werde ich dauernd abgelenkt (ich habs zwar noch nicht probiert, aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das so gute Früchte tragen würde).

Das zu den aktuellen Problemen. Ansonsten gehts mir aber super. Letztes Wochende war ich mit Masahiko (dem jüngeren Gastbruder) und Toshiki (dem Gastvater) am Flussufer vom Chikuma River (Chikuma-Kawa). Dabei waren auch die beiden Pferde Hangetsu ("Halbmond") und Haruka (Bedeutung gerade vergessen, aber irgendwas mit Frühling), die ja auch ab und zu etwas Auslauf brauchen. Was mich in den nächsten Tagen erwartet, weiß ich aber noch nicht.

Zum Schluss eine Botschaft an alle:
Falls euch jemals ein Japaner oder eine Japanerin "Tamago-Kakegohan" anbieten sollte - LEHNT AB. Auf Nachfrage wird er/sie euch vielleicht erzählen, dass dies etwas Essbares sei, aber damit liegt er garantiert falsch, denn bei "Tamago-Kakegohan" handelt es sich um Reis mit einem oder mehreren reingemanschten rohen Eiern. Das Ganze schmeckt fast so lecker wie Ohrenschmalz-Popel-Torte.
Also lasst die Finger davon.
Wollt' ich bloß mal gesagt haben.

Freitag, 28. August 2009

Schule!

Seit ungefähr einer Woche bin ich nun in Japan, und nun fängt natürlich auch die Schule für mich an. Am Mittwoch war ich das erste mal dort und wurde erst mal nur der Klasse und ein paar Lehrern vorgestellt. Das lief soweit ganz gut. Meine Vorstellung konnte ich auf einigermaßen verständlichem (auch wenn noch etwas holprigen) Japanisch glaube ich recht glaubwürdig über die Bühne bringen. Als ich mich dann den Tag danach der gesamten Schule vorstellen musste, war das schon ein wenig schwieriger...aber ich habs auch überstanden.
An der Yashiro-Kôko (Highschool) gibt es keine Schuluniformen. Jedoch hat jeder die gleichen Schuhe/Sandalen an, an denen man anhand der Farbe (Grün, Rot und Blau) ablesen kann, welcher Klassenstufe jemand angehört. Die Verständigung ist noch etwas schwierig, zum Großteil schlage ich mich noch irgendwie mit Englisch und ein paar ärmlichen Brocken Japanisch durch, aber auf jeden Fall hab ich mich schon etwas eingewöhnt und kann es zumindest verstehen, wenn Grundschulkinder mir einfache Fragen stellen (meine Gasteltern sagen mir, ich bin sprachlich so etwa auf dem Niveau eines Grundschülers).^^
Der Unterricht hier ist eigentlich ziemlich eintönig. Der Lehrer redet, alles andere schreibt mit, wenn jemand aufgerufen wird, liest er irgendwas vor oder so, aber ansonsten herrscht vollkommene Stille und man hört eigentlich nur den Lehrer sprechen. Am schlimmsten finde ich bis jetzt den Englischunterricht. Die Schüler lernen überhaupt nicht, die Sprache zu sprechen. Sie sitzen nur da und kreuzen Multiple-Choice-Tests an, anschließend werden die Lösungen durchgereicht und jeder überprüft seine Fehler, bestenfalls werden ein paar Schüler aufgefordert, die Sätze zu lesen, was dann meist recht kleinlaut und unsicher daherkommt. Wenn alle etwas vom Lehrer Gesagtes nachsprechen sollen, ist das eher verhaltenes Gemurmel. Kein Wunder, dass die meisten Schüler hier nicht gut in Englisch sind - vielleicht ist es aber auch ganz praktisch, denn dadurch werde ich weniger dazu verleitet, Englisch zu sprechen...
Schlafen ist in der Schule, soweit ich das mitbekommen habe, erlaubt oder die Lehrer scheint es zumindest nicht zu stören. Fast in jeder Stunde sieht man einige Leute ein Nickerchen machen oder (in den hinteren Reihen) Manga lesen.

Die meisten Fächer (Englisch jetzt mal ausgenommen) verstehe ich aber nicht, in Mathe geht es im Moment anscheinend um Integralrechnung. Aber selbst wenn ich die Zahlen lesen kann, hab ich zum Großteil keinen Plan, was man nun genau machen soll. Da sind mir doch Fächer wie Sport (wo wir zurzeit Schwimmunterricht haben) und Shôdo (Kalligrafie) lieber.
Meine Homeroom-Lehrerin (sowas ähnliches wie ein Klassenlehrer) Mrs Hongo hat mir aber schon "genehmigt", dass ich nicht alle Fächer belegen muss, vor allem die nicht, in denen man ohne groß Japanisch zu können gar nix versteht. In der Zeit kann ich dann für mich selbst Japanisch lernen, was ich dann wahrscheinlich in den Raum der Englischlehrer verlegen werde, um mir gegebenenfalls Rat holen zu können.

Für einen Schul-Club soll ich mich auch möglichst bald entscheiden, aber da bin ich mir noch ziemlich unsicher. Es gibt anscheinend ein paar wenige Clubs, die ganz heiß drauf sind, mich zu bekommen, wie der Englisch- oder der Brass Band-Club. Ich habe mir mal den Kyûdo-Club angesehen und Mrs Hongo wird mich dann im Laufe der nächsten Woche noch ein paar anderen vorstellen. Ich weiß nicht, ob ich solche Sachen wie Kyûdo, Kendo etc. in Betracht ziehen sollte - einerseits sind sie schon cool, andererseits üben sie jeden Tag und das mitunter recht lange. Da muss ich irgendwie noch eine Lösung finden.

Und hier bin ich auch erstmal wieder am Ende angekommen.
Einen schönen Gruß an alle "meine" Leser aus Japan!

Montag, 24. August 2009

Onsen und andere Verrücktheiten

Ja, ja. Hm, der Titel ist vielleicht diesmal etwas schlecht gewählt, aber auf die schnelle fiel mir nichts besseres ein. Zumindest passt er ansatzweise zu den Erlebnissen der letzten Tage. Vielleicht ändere ich ihn nochmal (falls das geht).
Wie auch immer. Man kann eigentlich gar nicht so kurz zusammenfassen, was seit dem letzten Eintrag in diesen kleinen Blog alles so passiert ist, also werde ich mal nur die Wichtigsten Sachen erwähnen. Am Samstag war ich mit zweien meiner Gastgeschwister im Zenkoji-Tempel in Nagano. Zuerst mussten wir 8 (hohoho) Stationen mit dem Zug fahren, und dann schließlich noch ein Stück laufen, aber es hat sich definitiv gelohnt.
Der Zenkoji ist ein recht bekannter Tempel in Japan. Er besteht aus verschiedenen "Teilen", die über ein kleines Gebiet verstreut sind, so zum Beispiel das Haupthaus, das "Eingangstor" und diverse andere kleinere Nebengebäude, die auch noch zum Tempelkomplex gehören. Nahezu alles an diesen Gebäuden ist aus Holz und so, wie man sich typisch "japanische" Gebäude eben vorstellt. Auch von etwas anderem als nur der Architektur habe ich an diesem Tag etwas mitbekommen: Ein wenig von den Bräuchen der Japaner.
Es war ein buddhistischer Tempel, aber in Japan scheint es egal zu sein, ob man sich der Religion zugehörig fühlt oder nicht. So kann man auch als "Tourist" sich an einer Art metallernem Brunnen Rauch zufächeln, der einen schlauer machen soll, oder eine Holzfigur an bestimmten Stellen berühren, wenn man möchte, dass man dort gesund wird/bleibt. Auch "Vorhersagen" gibt es hier, je nachdem, welcher Blutgruppe man angehört (darauf stößt man in Japan viel öfter als in Deutschland), kleine Zettelchen, auf denen man seine Zukunft prophezeiht bekommt
(Wem die Hakenkreuze aufgefallen sind: Das hat nicht mit Nationalsozialismus zu tun. Dieses Symbol war lange vor der Nazi-Zeit in Asien sehr verbreitet und wurde bezeichnet als das Manji, ein Symbol aus dem Sanskrit, das Glück und Frieden verheißen sollte).
Nachdem wir uns (na gut, hauptsächlich ich mir) den Tempel angesehen hatten/hatte, aßen wir noch Soba, eine Art japanisches Ramen - das "richtige" Ramen ist ein ursprünglich chinesisches Gericht. Ich bin ziemlich froh, dass ich schon so gut mit Essstäbchen umgehen konnte, bevor ich hierher kam, aber mit Nudeln bin ich immer noch nicht ganz grün.

So, was gab es noch. Ah ja, genau: Wollen wir mal auf den Titel zurückkommen. In dem Haus meiner Gastfamilie gibt es keine Dusche/Bad. Nur bei den Großeltern, die gleich in der Nähe wohnen, kann man sich waschen, und zwar nur in den heißen Quellen. Ungewohnt! Man stellt es sich vielleicht nicht so vor, aber das Wasser ist echt verdammt heiß. Ich glaube, ich habe mir schon gefühlt mindestens drei mal die Füße vebrannt. Zum Glück gibt es wenigstens eine Möglichkeit, ein wenig kaltes Wasser in das Becken laufen zu lassen.
Sobald man sich aber daran gewöhnt hat, ist es echt angenehm. Vielleicht kommt ja irgendwann die Zeit, in der ich nicht mal mehr mit der Wimper zucke, wenn ich ins Becken steige...aber das wird wohl noch ein bisschen dauern.

Noch kurz etwas zum heutigen Tag. Mich hat es wieder nach Nagano verschlagen (der Weg ist jetzt nicht so abartig lang), in eine Studio Ghibli-Ausstellung, genauer gesagt eine Ausstellung von den Werken Oga Kazuos, des Hintergrund-Malers. Es war wirklich unglaublich, die "Original-Hintergründe" von Mein Nachbar Totoro, Spirited Away und Das wandelnde Schloss dort zu sehen! Da sieht man mal wieder, wie genial solche Leute eigentlich sind. Ein paar der Bilder wirkten fast real, wenn man sie nicht ganz aus der Nähe betrachtete.

(Auf dem Bild zu sehen: Hintergrund aus Spirited Away/Chihiros Reise ins Zauberland)

So, und das war es erst einmal auch wieder.
Es wird beim nächsten mal sicherlich wieder viel zu berichten geben. Eigentlich ist es sogar viel zu viel, ich kann gar nicht alles schreiben, was hier alles so vor sich geht. Aber vielleicht bekommt man hierdurch doch einen kleinen Einblick, wie es in Japan so ist.

Ich freue mich, wenn ihr auch den nächsten Eintrag lest!