Bevor ich allerdings mit den heißesten Breaking News beginne, erst einmal vielen, vielen Dank an alle, die mir E-Mails, Karten, und Päckchen zu Weihnachten geschickt haben! Ich muss das jetzt hier erstmal so pauschal formulieren, ich werde alle meine Schreibkräfte verausgaben, möglichst vielen zurückzuschreiben, aber mitunter werden Wartende sich wohl leider etwas gedulden müssen, denn Neujahr ist ja nicht unbedingt eine Zeit des Jahres, in der man untätig Zuhause rumschimmelt. Und haha, diesmal ist damit sogar ein meines Erachtens nach annehmbarer, flüssiger Übergang zum Hauptteil entstanden! Ich werde mit der Zeit besser, ich merks!
Die letzten Ereignisse liegen teilweise schon einige Zeit zurück. Da wäre zunächst einmal das Eislaufen (bzw. Schlittschuhlaufen, aber das war so ein langes Wort, das ich zu faul war, es zu schreiben) in der M-WAVE, einer Halle, in der damals Eishockey und Eisschnelllauf im Rahmen der olympischen Winterspiele 1998 stattfanden! So episch man es sich vorstellen mag, so monumental kommt es dann gar nicht rüber. Eigentlich ziemlich ernüchternd sogar. Hier ein Bild von mir und Masahiko vor dem Nagano-Olympische-Winterspiele-Symbol!

Das Laufen auf dem Eis an sich war dann um einiges schwieriger, als die Halle zu beurteilen, denn zuvor war ich nur zwei oder dreimal auf den Kufen gewesen. Damals konnte ich es eigentlich ganz passabel, aber das ist natürlich schon so vergleichsweise lange her, dass meine Langzeiterinnerung die Methode, wie man ebendies tat, in die Schublade "unwichtig" geschoben hatte. Aber irgendwo tief in den Windungen meines Denkapparats ließ sich dann doch noch etwas zusammenkratzen, sodass ich nach ein paar Stunden immerhin schon mit dem Gastbruder mithalten konnte, ohne allzuviele Unfälle zu erleiden (einmal habe ich mir aber unglücklich das Knie gestoßen, was Tage später noch in den Knochen saß). Aber allzu viele Worte will ich jetzt darüber nun auch nicht verlieren, deswegen zum Schluss noch ein, logischerweise, abschließendes Bild:

Der nächste Punkt wäre dann wohl Weihnachten. Auf die Gefahr hin, alle Erwartungen restlos zu enttäuschen, muss ich sagen, dass man hier in Japan kaum was von gemerkt hat. Ich habe den Verdacht, dass die Gasteltern sogar diesmal nur wegen mir Weihnachten "gefeiert" haben, Weihnachten ist hier eben nur so was wie eine Art Halloween in Deutschland für kleine Kinder, ein Fest, das man eben kopiert, weils ganz lustig aussieht, mehr aber auch nicht. Am Heiligabend haben die Kinder (also auch ich) Geschenke untereinander ausgetauscht, ich bekam an diesem Abend einen "Hanten", so eine Art Winterkimono für männliche Wesen (die für Frauen sind gar nicht mehr so winterlich, da sie Schlitze unter den Achseln haben und viel dünner sind)!
Dadurch sehe ich jetzt sogar aus wie ein richtiger Japaner!

Zu Weihnachten selber gab es keinen Schnee, aber ungefähr eine Woche davon fielen die weißen Flocken gar fürchterlich vom Firmament. Eines Wochendendes unternahm ich einen kurzen Ausflug in die Nachbarpräfektur Niigata, und da ging einem der Schnee mitunter bis...ähh, ich bin unfähig, es zu beschreiben, guckt einfach hier:

Na gut, so atemberaubend ist es jetzt nicht, ich gebs ja zu. Zumal ich gehört habe, dass es in Deutschland dieses Jahr ziemlich kalt sein soll, kälter als in Nagano! In Japan war es immer ziemlich nah am Gefrierpunkt, der hier im Übrigen sinnigerweise "Hyôten", also "Punkt des Eises", heißt, aber ich schweife schon wieder ab, eigentlich ging es ja um Weihnachten.
Am nächsten Tag also lagen bei mir noch ein paar Geschenke im Zimmer rum, denn da sich die Japaner nicht entscheiden können, ob sie es lieber wie die Amis oder doch anders machen sollen, gibts eben eine Mischung aus beidem! Diese Geschenke kamen von den Gasteltern und waren ein Shogi-Spiel (ist wie Schach, nur trickreicher) und ein Bilderbuch über irgendwelche japanischen Bräuche.
Was jetzt wie ein langweiliger Bericht klingen mag, war aber auf keinen Fall so! Obwohl das typische "Weihnachts-Flair" gefehlt hat, war es dennoch schön! In der Klasse gab es auch eine kleine Weihnachtsfeier, wo die große Raubtierfütterung mit selbstgemachten Plätzchen stattfand.
Ja, ich habe in der Vorweihnachtszeit selber Plätzchen gebacken! Ganz profane Butterplätzchen, die wirklich mehr "Butter" als alles andere waren, aber anscheinend waren sie so außerirdisch lecker, dass sich alle wie die Geier draufstürzten. Naja, was schlechtes ist es ja immerhin schonmal nicht. Die Gelegenheit dieser Feier habe ich dann auch gleich beim Schopfe gepackt und der Klasse eine neue Version meines Deutschland-Vortrags vorgesetzt, sämtlich auf Japanisch!
Bevor es weitergeht, noch ein Bild von Japan im Winter (Teil des Zenkoji-Tempels, Nagano).

Der Rest des Eintrags bezieht sich dann wohl auf die unmittelbaren Ereignisse. Tja, was gibts so zu erzählen? Am 27. begannen die Winterferien, und sogar der Brass Band Club hat es fertig gebracht, seine Mitglieder in aller seiner Gnadengestalt für rund eine Woche komplett in die Ferien zu entlassen! Das ist so unfassbar, das es an ein Wunder grenzt. Ich freue mich aber im Moment wieder sogar auf den Beginn, obwohl er mit der Zeit etwas nervig geworden ist, denn nach den Ferien steht "Chihiros Reise ins Zauberland" auf dem Plan.
In den Ferien selber hat es sich bisher so mittelmäßig ereignisreich abgespielt. Zwei Tage habe ich weitgehend mit Schlafen, Essen und Lesen verbracht - LIMIT von Frank Schätzing ist einfach toll (bekam ich von meiner Familie in Deutschland quasi als Weihnachtsgeschenk, wenn auch schon etwas früher), unglaublich fesselnd. Ich bin schon bei Seite vierhundertnochwas von tausendundwasweißich.
Aber natürlich wäre es ja sinnlos, die so heiß erwarteten Ferien fern von allen Japanern abgeschieden in meinem schön beheizten Zimmerchen zu verbringen! Gestern war die Familie, die für mich auch relativ am Anfang meiner Japanzeit eine Art Willkommensparty gemacht hatte, bei den Heißen-Quellen-Großeltern zu Gast, da am Abend eine Art Familienfeier stattfinden sollte, an deren Grund ich mich nicht mehr erinnern kann, nur, dass es unter anderem mit dem Geburtstag des größeren Gastbruders, Shunichi, zu tun hatte. Wie auch immer, es war sehr schön an dem Abend! Die "Kinder" haben hauptsächlich UNO nach dem Essen gespielt, das, nebenbei bemerkt, durchweg französischer Küche war und daher unausweichlicherweise auch die von den Japanern so heiß geliebten Austern enthielt. Aber ich hab mich an diesen Abend mal überwunden und alles (fast) kommentarlos an Essen geschluckt. Das Menü hatte fünf Gänge oderso, und am Ende konnte ich noch nicht mal mehr mein Dessert aufessen, weil ich ansonsten geplatzt wäre.
Es stellte sich heraus, dass eine der älteren Töchter der Familie der Schwester meines Gastvaters (eine herrliche Familienkonstellationsbeschreibung - und schon wieder ein zu langes Wort...) vor ein paar Jahren mal in Amerika war, sodass ich quasi auf Englisch reden konnte und einen Übersetzer auf Beinen hatte, sehr praktisch! Auch wenn ich natürlich keineswegs die Absicht hatte, irgendjemanden als laufendes Wörterbuch zu missbrauchen. Und eigentlich soll ich ja auch mehr Japanisch sprechen. Worum ich mich nach Kräften bemühe. Aber wenn sich schon einem die verlockende Möglichkeit auftut...
So, und das war es auch erstmal wieder, und ich beende meinen Eintrag wie immer mit denselben Wörtern, es ist zu verzweifeln, aber es will einfach nichts anderes in meinen Kopf, was als Schluss passen könnte. Bleibt mir noch noch, allen, die dies hier lesen, ein
