Donnerstag, 29. April 2010

Lebenszeichen

HINTERHÄLTIGER ÜBERRASCHUNGSANGRIFF!
Haha, damit hätte jetzt wohl niemand mehr gerechnet. Wie lange her ist der letzte Eintrag jetzt schon? Ziemlich genau zwei Monate. Ein neuer Rekord! Ich hoffe doch stark, dass ich durch mein Nicht-Präsentsein im Netz nicht irgendwelche Sorgen, Ängste oder gar Entzugserscheinungen unter meinen treu ergebenen Dien- ähm, *hust* Lesern hervorgerufen habe - die nebenbei auch komplett unbegründet gewesen wären. Wenn etwas dergleiches ungünstigerweise noch einmal passieren sollte, einfach immer positiv denken:
No news = good news.

So, aber natürlich schreibe ich hier diesen Eintrag nicht nur, um mich an der Länge meiner Abwesenheit zu ergötzen. Lange gab es jetzt schon keinen allgemeinen "Bericht" mehr, und so etwas ist ja sowieso schon mal wieder längst überfällig. Also, wo beginnt man da am besten...
Ach ja! Vielen, vielen, vielen Dank an alle, die mir in irgendeiner Weise zum Geburtstag gratuliert haben! Und auch sonst ein großes Dankeschön an die Verschicker aller möglichen Pakete. Ich glaube, die Prospekte über Sansoucci (schreibt man das so?) werde ich mal der Geschichtslehrerin zeigen...und dank der neuen High-Tech Zahnbürste (weil Zahnbürsten in Japan ja, wie man weiß, nicht zum Verkauf stehen *zu Mutti schiel*) kann ich nun Zähneputzen wie ein Superheld.

Nun aber zu den ganzen Sachen, die in der vergangenen Zeit so anstanden: Das Erste wäre da wohl die Kyoto-Tour, überhaupt die ganze Zeit, in der Daniel und Mutti mich hier in Japan besuchten. Insgesamt ist das eigentlich alles eine viel zu lange Geschichte und wäre ihren eigenen ellenlangen Blogeintrag wert (gewesen...); außerdem glaube ich kaum, dass die meisten, die das hier lesen, nicht sowieso schon reichlich davon erfahren haben, also hier einfach nur mal eine Zusammenfassung der Ereignisse.
Der rund zweiwöchige Aufhalt in Japan im März/April 2010 bot unter anderem: Alte Tempel; badende Affen (die hier im Blog schon einen Eintrag haben); exklusive Kostproben diverser japanischer Speisen; die Fahrt mit dem Narita-Express, der so schnell ist wie der Blitz (ein Insiderwitz) und dem Shinkansen; Übernachtung in einem japanischen Hotel, Kirschblüten-...Besichtigung (klingt in Deutsch doof, auf Japanisch einfach Hanami); Alte Tempel; heiße Quellen; eine zweitägige Rundtour durch Kyoto, Alte Tempel; einen viel zu kalten Frühling in Nagano; Alte Tempel; Kyudo und Brass Band; Skifahren in Hakuba; das Schloss in Matsumoto; ... hatte ich schon die alten Tempel erwähnt?
Ja, das war es so in etwa. Am schönsten - und/oder aber auch am stressigsten - war für mich jedoch Kyoto. Logisch, alles andere innerhalb von Nagano kannte ich ja schon nahezu bereits. Wir hatten wirklich die beste Zeit der Kirschblüte abgepasst, und es war am ersten Tag sogar noch recht angenehmes Wetter, zwar bewölkt, aber warm und nicht so klamm wie in Nagano (dieses Jahr ist der Frühling hier, nebenbei bemerkt, auch nicht "normal warm", obwohl es jetzt so langsam doch besser wird). Der Kiyomizu- und Ryoanji-Tempel waren einfach...ahh, wie soll ich es beschreiben...saikou! Reisegruppen zerren tatsächlich ziemlich an den Nerven, aber hätten wir die Tour nicht mitgemacht, hätten wir wohl in der kurzen Zeit nie so viele verschiedene Orte besuchen können - quasi alles, was man "gesehen haben muss" war ja mit drin einbegriffen, und man hat ja noch seine Fotos - ab und zu hab ich mich wie ein klischeehafter Japaner gefühlt, der alles mehr durch die Linse seiner Kamera betrachtet und ständig nur von Ort zu Ort wuselt.

An "neueren" Ereignissen gibt es auch noch einiges. Onbashira-Matsuri war vor rund zwei Wochen hier, eine Art Frühlingsfest, dass nur einmal alle sieben Jahre stattfindet (da hatte ich aber Glück) und größtenteils daraus besteht, dass man einen zuvor extra dafür gefällten Baum(stamm) durch die Stadt zieht, dabei komische japanische Lieder singt, die noch nicht mal Japaner vollständig verstehen, und ab und zu auch mal tanzt. Als ob das nicht schon genug wäre, trägt man dazu dann auch noch lustige Trachten.

Die in Pink: Happi-Ren. Die in Rot: Waka-Ren.

Wie man auf dem Bild vielleicht schon erkennen konnte,
waren unsere Sachen ziemlich dünn gehalten. Sprich unter dem Umhang, den man an mir bewundern kann, trug ich nur noch eine "Bandage", so ein Tuch, dass so mumienartig um den Oberkörper gewickelt wurde, und eine kurze Hose, die ungefähr bis zu der Mitte der Oberschenkel ging - sonst nichts. Und ja, es war ziemlich kalt. Na gut, am zweiten Tag ging es dann eigentlich (hab' mir sogar einen Sonnenbrand eingefangen), aber am Tag davor...brrrrr...reden wir lieber gar nicht erst drüber.
Noch ein bisschen zum Hintergrund dieses Festes: Der Baum, der zuvor irgendwo in den Bergen gefällt wird, wird, nachdem er zur Schau durch die Straßen gezogen wurde, zum "Bezirksschrein" gebracht und dort dann mithilfe eines K
ranes aufgestellt (gefährlich, dieses Jahr ist irgendwo in Nagano jemand durch einen solchen, umfallenden Baum gestorben). Dieser Baum wird durch dieses Vorgehen ein Schutzgott.

Wuhu, ich komm' ins Fernsehen!

So ungefähr sah der Tanz aus.

So, weiter geht's, wo waren wir, ähmm...stimmt ja! Wer das auf dem letzten Bild ist? Meine Gastschwester. Was? Achsoooooooo. Hab' ich ja noch gar nicht erzählt! Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Meine Gastfamilie hat sich so gegen Anfang April geändert. Nun ja, sie ist jetzt nicht so wirklich so...anders, die Gastmutter ist die Schwester von meinem vorherigen Gastvater, aber immerhin, ich wohne jetzt nicht mehr in "DER KIRCHE"! Diesmal auf der anderen Seite der Taisho-Bashi, in Togura. Rein logistisch gesehen ist dieser Wohnort viel optimaler (unmögliche Steigerung? Immer her damit) - der Weg zum Bahnhof, zur Schule und zum Kyudo sind jetzt viel kürzer! Noch ungefähr bis Anfang Juni werde ich hier bleiben, und danach kommen noch mal zwei Wechsel - einmal in eine Familie 5 Minuten mit dem Fahrrad von meiner Schule entfernt, und dann noch einmal zurück zu den Wakabayashis - für zwei Wochen oder so, irgendwie ein bisschen witzlos, aber naja, wen kümmerts!

Ansonsten...ja, ungefähr vor einer Woche ging es noch zum Chakai. Weiß natürlich wieder keiner, was das ist...
Nunja: In der Schule bin ich ja unter anderem auch im Teezeremonie-Club. Das Wort "Chakai" setzt sich zusammen aus "Cha" (Tee) + "Kai" (Zusammenkunft, Treffen), sozusagen eine Teeparty! Okay, vielleicht nicht ganz, aber so in der Art kann man sich das vorstellen. Es kommen eben Leute zusammen, die dann in so einem Tempel zusammen Tee trinken. Für uns war aber keine Entspannung angesagt: Wir waren die "Bedienung"!

Tadaaa!

Die Namen der ersten vier Leute (von links aus gesehen) kenne ich nicht wirklich, da sie von einer anderen Schule kamen - Nagano West, oder so was in der Art - ich weiß nur, dass die Lehrerin (ganz links) mal Englisch an meiner Schule unterrichtet hat. Ab der fünften Person aber: Miho; Mari; eine ominöse Person, die lieber anonym bleiben möchte; Hanaoka (?)-sensei; und Maruyama-senpai.
Der Tag war sehr schön, wie man auf dem Bild ja sehen kann. Da die Kirschblütenzeit auch in Nagano jetzt so langsam zuende geht (schade drum), fielen die Blütenblätter bei jedem Windstoß wie Schnee langsam zu Boden.
Wie auch immer, wie vorher schon gesagt: Die Leute,
die man oben auf dem Bild sieht, waren natürlich nicht die einzigen Anwesenden. Es kamen ziemlich viele Leute, wirklich viele Leute, die unbedingt ihren grünen Tee haben wollten. Das Ganze ging von halb zehn frühs bis Nachmittags um drei.
Auch wenn wir selber natürlich nur die "Bediener" waren, die den Gästen in traditioneller Art und Weise ihre Heißgetränke zubereiteten & servierten, durften wir selber natürlich auch mal kosten. Die Süßigkeiten, die es dazu gab, waren lecker! Mochi, Anko, und und und.

So ungefähr sah das aus, wenn man den Tee brachte. Den Hakama (das Zeug, was ich da anhabe) hatte mir unsere Lehrerin geliehen.

Weils so schön war: Nochmal alle zusammen.

So! Weiterhin...was ist so los in der Brass Band? Stücke, die zur Zeit so geprobt werden: Mission Impossible Thema, Laputa Medley, THUNDERBIRDS, und noch ein paar mehr...jaja...immer beschäftigt...

Bald ist in Japan "Golden Week"! Im Herbst gab es schon die "Silver Week". Solche besonderen Wochen sind Ketten von Feiertagen, die jeweils von einem oder zwei Brückentagen...überbrückt werden, zur Freude aller. Im Zuge dieser kleinen "Ferien" geht es dann für mich noch mal nach Tokyo, nach Yokohama, um genau zu sein! Endlich mal Zeit, sich die Hauptstadt etwas genauer anzusehen. Wir wollten sogar ins Ghibli-Museum! Ja...wollten...aber alle Karten sind schon ausverkauft...bitte entschuldigen sie mich, während ich still Tränen vergieße...
Aber ich hab es ja oben schon gesagt: Immer positiv denken! Es gibt ja noch ganz viele andere Sachen, unter anderem Akibahara, haha, ich wusste doch, dass es mich irgendwann nochmal dahin verschlagen würde.

Und damit beende ich den heutigen Eintrag. Für das nächste mal werde ich mir aber gehörig einen Knoten ins Ohr machen, dass "Kanji für Dummies", Teil 2, nicht auch erst wieder so extrem spät hier eintrudelt!
Also dann, bis zum (früheren) nächsten Mal!

Samstag, 27. Februar 2010

Kanji für Dummies (Teil 1)

Der Februar ist zu kurz. Zu kuhuhuuuuurz!
Wie auch immer, bevor er nun endgültig vorbei ist, muss ich natürlich hier noch was reinschreiben, das wäre ja sonst blöd, wenn ich nun total meine Gewohnheiten zugunsten der Faulheit ablegen würde!

Diesmal geht es wieder um die japanische Sprache. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Ende März bekomme ich von meiner Familie (außer Papa) Besuch, und wenn man nach Japan kommt, muss man natürlich auch ein (winziges) bisschen Japanisch können! Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Leute am Flughafen kein Englisch beherrschen, aber ein wenig kann ja nun wirklich nicht schaden.
Also los!
Insbesondere werde ich hier mal über die Kanji, die aus China geklauten Schriftzeichen, schreiben. Die Katakana- und Hiragana-Tabellen hatte ich ja schon in einem früheren Eintrag reingestellt. Wahrscheinlich würde jeder halbwegs vermögende Japanischlehrer über meine Ausführungen hier nur verzweifelt den Kopf schütteln...aber so ist es eben, wie ich es selber gelernt habe (und am einfachsten finde).

Ja, das ist abfotografiert.

Zuerst einmal muss natürlich eins gesagt werden: Kanji sehen auf den ersten Blick so schwer aus wie sonst nichts auf der gesamten Welt, und überhaupt. Ich bin jetzt schon ein kleines bisschen mit ihnen vertraut, aber die schiere Zahl raubt einem einfach den Verstand. Wieviele sollen es nochmal sein? Rund 20000? Irgendsowas in dem Dreh, soweit ich mich nicht vollends täusche. Aber naja, nicht so schlimm, um sich als Individuum ohne Hilfe über Wasser halten zu können, braucht man ja nur 1945 Stück! Ist doch 'ne Leichtigkeit, das machen'mer doch.
Um etwas ernster zu werden: Wenn man ein wenig in die Materie eingetaucht ist, wird es schon ein bisschen leichter. Teilzeichen tauchen wieder auf, an vertrauten Stellen, das heißt, nicht jedes Kanji an sich ist eine vollkommen neue Erfindung. Manchmal ergeben die Teilzeichen ("Radikale") sogar auch einen Sinnzusammenhang!

Ich werde zuerst einmal ein exemplarisches Beispiel "vorführen", damit man zuerst einmal grob erkennen kann, wie das mit den wiederkehrenden Zeichen funktioniert. Dabei werde ich versuchen, wenn möglich Zeichen aus dem Alltag zu nehmen...(Die Rahmen um die Zeichen zählen, nebenbei bemerkt, nicht zum Kanji, sondern sind nur zur Abgrenzung, der Übersichtlichkeit halber)


Das Zeichen für "Tor", mon. Ich muss gestehen, im Alltag wird man es sogut wie nie benutzen, aber vorerst geht es weniger um das Wort an sich, sondern seine Bedeutung in anderen Zeichen. In diesem Kanji sieht man doch recht eindeutig ein Tor, wie eine Art Saloontür im Western.
Und nun ein paar Zeichen, in denen dieses Zeichen wieder auftaucht:


Die beiden Verben akeru und shimeru, mit der Bedeutung "öffnen" und "schließen". (Nur jeweils die obersten Zeichen sind Kanji, der Rest ist Hiragana und dient zur grammatikalischen Funktion.)
Wie auch immer, in den Kanji sieht man das Tor wieder. Logisch, was assoziiert man stärker mit öffnen und schließen als eine Tür? Der Unterschied liegt nun in den Zeichen, die in der Mitte stehen.
Hier mein Weg, wie ich es mir gemerkt habe.
Im Kanji für "öffnen" sieht man ein "A" (ist natürlich nicht die wirkliche Bedeutung, aber es sieht so aus). "A" steht für "Anfang", bzw. "Aufmachen". Außerdem spricht sich das Kanji in diesem Wort ebenfalls "a". Soweit, so gut. Aber "schließen"?
In "schließen" sieht man ein Katakana-"O" zwischen den Türen. Hm, "schließen" fängt nicht mir "O" an, aber dafür gibt es eine andere Eselsbrücke: Für mich stellt es "Omega" dar, gleichbedeutend mit "Ende", und wenn irgendetwas zu Ende ist, gehen die Türen zu.
Öffnen und Schließen, Alpha und Omega.
Ehrlich gesagt würde es mich nicht verwundern, wenn das für einige...seltsam erscheint, aber solche komischen Gedankenkonstrukte sind meine Spezialität!


Ein weiteres Wort. Diesmal das für "Zeit", jikan.
Auch hier wieder das Tor, diesmal im zweiten Kanji des Wortes. "Zeit" lässt sich in zwei Einzelkanji spalten, "Stunde" und "Zwischenraum".
"Stunde", das obere Kanji, besteht gewissermaßen aus "Sonne" (links) + "Tempel", vielleicht, weil die Zeit früher in mittelelterlichen Tagen in Tempeln anhand von Sonnenuhren abgelesen wurde. "Sonne" ist im Übrigen ein sehr oft vorkommendes Teilkanji (bzw. Radikal).
Das Zweite nun, "Zwischenraum", in dem "Tor" enthalten ist, zeigt uns eben jenes, und zusätzlich eine Sonne zwischen den Türen. Eigentlich recht einfach: Dort, wo man Sonne durch eine Tür scheinen sehen kann, dort ist ein Zwischenraum.
Der "Zwischenraum der Stunden" ist also Zeit. Wie man das interpretiert, ist jedem selbst überlassen, ich kann damit nichts wirklich anfangen, aber irgendwie bleibt es dann doch hängen.

Und zum letzten Wort für heute (es wird noch ein zweiter Teil folgen), und zwar "Zeitung", shinbun.


Das obere Zeichen ist schwer zu erklären. Ich habe es mir einfach so gemerkt, weil ich es oft benutze, aber den Zusammenhang der Einzelteile kann ich nicht erklären. Irgendwas mit einer Vase, einem Baum, und einem dritten Teilzeichen, dass im Grunde irgendetwas mit "falten" zu tun hat. Seltsam, seltsam, und, aus welchem Grund auch immer, bedeutet dieses erste Kanji "neu".
Das zweite Kanji ist weitaus weniger obskur. Wieder einmal die Türen, zudem in der Mitte ein Ohr. Zusammen ergibt das "hören". Jemand legt sein Ohr an eine Tür und lauscht bzw. hört. Nicht das Schwerste.
Die zusammengesetzte Bedeutung beider Kanji ist dann aber wieder sehr einfach: "Zeitung" ist einfach "Neues Gehörtes", auf Papier gedruckt. Nicht so unglaublich philosophisch wie der Zwischenraum der Stunden.

Das war es für dieses mal!
Ich glaube auch eigentlich, dass das vorerst reichen sollte. Ich hoffe, ich konnte die Wiederkehr bestimmter Radikale einigermaßen gut darstellen. Und jetzt bin ich müde...

Bis zum nächsten Mal!

Sonntag, 14. Februar 2010

Das Lichtding

Ja, ich wollte nur einmal kurz die Kunde verbreiten, dass die Untersektion "Aktuelle Foddos" ihrem für lange Zeit sinnentrücktem Namen auch nun wieder gerecht wird!
Zu sehen sind Bilder vom Zenkoji-Tempel bei Nacht, der Aufgrund einer "Erinnerungsfeier" an die olympischen Spiele in Nagano 1998 erleuchtet war. Die Laternen davor stammen von verschiedenen Schulen. Was sie zu bedeuten haben sollen, kann ich allerdings auch nicht so genau sagen...naja, sehen eben schön aus, ne, muss reichen. So.
Die Photos an sich sind ziemlich unscharf, daran ist mein Fotoapparat schuld, der bei Nacht bzw. ungünstigen Lichtverhältnissen einfach verboten schlechte Bilder macht.
Und das wars auch schon wieder!

Montag, 8. Februar 2010

Ende des Winterschlafs

Wuha!
Hier bekommt man ja fast einen Hustenanfall, so hoch liegt der Staub hier.
Einen Monat lang nichts geschrieben! Ich habs tatsächlich geschafft. Naja, in Ruhm kann ich mich wohl damit nicht baden, deswegen werde ich jetzt einfach mal versuchen, die Ereignisse der letzten Wochen so gut wie möglich zusammenzufassen!

Das neue Jahr in Japan begann ganz gut. Der Neujahrstag war wirklich sehr anders als in Deutschland! Es gab quasi keine Feuerwerke, es sind alle Menschen aus unserem Stadtteil zum Schrein in der Nähe gepilgert und haben da kurz vor Mitternacht an der Glocke geläutet, bloß, um es kurz nach dem Beginn des neuen Jahres noch einmal zu tun. Anscheinend ist dies ein Garant für Glück und Erfolg, wenn das Letzte und das Erste, was man jeweils in alten bzw. neuem Jahr macht, das Beten am Tempel ist.
Sonst war es aber eigentlich dem deutschen Neujahr recht nahe. Am ersten Tag des Jahres gab es ein festliches Essen (inklusive Austern, weil ich die ja so liebe).
Danach wurde es aber ganz stressig! Zum Neujahr schreiben nämlich alle Japaner Karten, sogenannte "Nengajô", auf die sie die besten Wünsche und so weiter an alle ihre Bekannte verschicken. Die Karten sind schon beim Kaufen für Japan vorbezahlt, sodass man noch nicht extra Briefmarken dafür ranschaffen muss. Normalerweise machen die meisten es einfach so, dass sie eine Karte entwerfen, die dann zigfach kopieren und nur noch die Adressen draufschreiben. Das war bei mir aber ein Problem, da unser Drucker ja nicht funktioniert. Und da ich sowieso nicht so übermäßig viele hatte, an die ich schreiben wollte, riet mir mein Gastvater einfach dazu, sie selber zu malen!
Hier ein kleines Beispiel:

Da.

Dieses Jahr ist, nach dem chinesischen Tierkreis, das Jahr des Tigers, was zur Folge hat, dass auf allen meinen Nengajô (und auch auf den meisten, die ich bekam) eben Tiger drauf waren. Dazu noch ein paar Zeilen an Text und fertig ist. Leider geht das gar nicht so schnell, wie es aussieht! Theoretisch müssten die Karten schon am zweiten des neuen Jahres ankommen, aber ich habe zu spät angefangen und so waren es etwas noch anderthalb Wochen, bis ich meine wegbekam. Jaja, meine Gastfamilie ist aber auch immer ein bisschen spät dran - und das, obwohl sie nur noch die Adressen draufschreiben müssen!

So, damit wär das Kapitel "unmittelbares Neujahr" wohl abgeschlossen. Es gibt aber was, was ich unbedingt noch zeigen muss. Guckt mal, was ich kann!

Coll, oder?

Ja, ich kann jetzt solche Papierkraniche falten. Wenn ich jetzt drüber nachdenke, find ichs fast schon obskur, dass ich es vorher noch nicht konnte, die macht man hier im Prinzip dauernd in Japan. Als unsere BB (Abkürzung für "Brass Band", hat sich bei mir so eingebürgert, ab und zu auch mal BBC - das C für "Club") vor kurzem ein paar Leute zu so einer Art Wettbewerb aussandte, haben wir auch wie die Bekloppten das Papier rumgedreht. Solche Kraniche sind in Japan nämlich ein Zeichen für Glück (solche Zeichen gibt es hier echt zu Billiarden), insbesondere, wenn es viele sind. Je rauher die Menge, desto mehr Glück, nichts mit weniger ist mehr! 100 Papierkraniche, von einem einzigen Menschen alleine gefaltet und als Geschenk an einen anderen gegeben, sollen dem Beschenkten ein Leben ohne Traurigkeit und Fern von Sorgen bescheren.
Hakuna Matata!

Das nächste war dann wohl die Skitour. Wer mich kennt, dürfte ja wissen, dass ich das nun wirklich noch nie vorher gemacht hatte (im Gegensatz zum Eislaufen, wo ich wenigstens schon die Grundzüge wusste).
Es ging nach Niigata, in die wahrscheinlich schneereichste Region Japans. Im Moment bin ich ja sogar der Ansicht, es könnte die schneereichste Region der ganzen Welt sein. Als wir ankamen, schneite es, als wir da waren, schneite es (die ganze Zeit), als wir wegfuhren, schneite es, ich bin mir nicht mal sicher, ob es in Niigata überhaupt irgendwann mal aufhört, zu schneien. Mit weißen Decken...naja...mit weißen Wänden zugedeckte Autos und Hausdächer waren keine Seltenheit, genausowenig wie riesige Wände aus Schnee, die an den Straßenseiten von den Räumfahrzeugen aufgetürmt werden. Durchschnittliche Höhe von dem gefrorenem Wasser war bei unserem Aufenthalt so ungefähr ein Meter fünfzig.

Wer's jetzt nicht glaubt, ist selber Schuld.

Das Skifahren an sich war aber sehr lustig! Vor allem, da ich es zuerst so gut wie gar nicht konnte. Am ersten Tag war Skischule angesagt, zusammen mit zwei Mädchen, vielleicht so sieben Jahre. Ich kam mir seltsam nachzüglerhaft vor. Für die Menschen in Niigata ist das Skifahren ja aber wohl anscheinend sowieso überlebenswichtig.
Masahiko, mein kleiner Gastbruder, ging auch in die Schule, aber nur zu einem anderen Lehrer. Die Skisachen bekam ich fast alle von meinem Gastvater geliehen, sehr nett!
Das Skigebiet nennt sich im Übrigen Myokokôgen. Der Name hört sich vielleicht kompliziert an, aber eigentlich heißt "Kôgen" ledigliche soviel wie "Hochland" und da inerhalb dieses Hochlandes eben ein hoher Berg namens Mt. Myoko ist, liegt es dann doch irgendwie nahe, das Gebiet so zu taufen. In diesem Hochland selber gibt es dann noch natürlich tausende von kleineren konkurrierenden Skipisten...betreibern (nennt man das so?). Wir waren auf dem "Kumadô", dem "Bärenweg", dessen Logo man auf dem nächsten Bild bewundern kann!

Ja, ich bin der rechts.

Der erste Tag verlief ganz gut, und als er zuende war, wusste ich zumindest, wie man bremst (ein Stück sehr wertvolles Wissen, wie sich später herausstellen sollte) und überhaupt richtig fährt. Meine Füßen taten danach vielleicht weh! Diese Skischuhe sind ja nicht gerade das, was man gemeinhin unter komfortabel versteht.
Am Abend kamen dann auch noch der ältere Gastbruder Shunichi (hatte Ferien von der Uni), dessen Freund/Bekannter der Familie, die jüngere Gastschwester Miwako sowie die Gastmutter dazu, und am nächsten Tag hatten wir den ganzen Tag zum Skifahren frei.
Natürlich wurde ich, wie es kommen musste, obgleich ich gerade erst mal die Anfängerstrecke von der Skischule gemeistert hatte, auf irgendsoein mittelschweres Ding gezerrt. Das war aber ganz und gar nicht mittelschwer! Die ganze Zeit ging es nur geradeaus runter, und da ich das mit dem Kurvenfahren zum Bremsen noch nicht wirklich draufhatte, schoss ich quasi in Etappen da runter und legte mich nach jedem steilen Bergab-Stück auf die Nase. Da waren mir die Schneewände ganz willkommen, da sie wenigstens für sanfte Aufprälle (Aufprälle? Klingt irgendwie komisch...) sorgten.
Aber mit der Zeit werde sogar ich besser und als sich der Tag dann dem Ende neigte, konnte ich sogar viele Mittelstrecken fahren! Die erste hab ich aber trotzdem nicht nochmal genommen. Ich musste schon feststellen, dass Skifahren eigentlich gar nicht so schwierig ist, wie ich gedacht hatte, man muss ja eigentlich nur runterrutschen und dabei immer in Kurven fahren, wenn man nicht zu schnell sein will.
Hier noch abschließend ein paar Bilder vom Skigebiet...

Das Schild verheißt "Ramen", eine leckere Nudelsuppe. Ich aß aber während der Tour ausschließlich Tonkatsu (SCHNITZÖL).

Es gab fast mehr Snowboard- als Skifahrer.

Ein Blick auf die Piste vom Restaurant aus.

Danach war eigentlich gar nicht mehr so viel los. Ich weiß, dass es sich für euch vielleicht komisch anhört, aber mir würde es jetzt irgendwie komisch vorkommen, über so stinknormale Sachen wie die tägliche Schule zu reden. Naja, über den Club kann man ja noch ein paar Worte verlieren: Bald werden wir wieder was spielen! Genauer gesagt sogar übermorgen. Drei Stücke, zwei ziemlich Einfache; und eins, das mich einfach nur kaputt macht. Wirklich, wenn ich jetzt Dmitri Shostakovic irgendwo sehen würde, würde ich ihm den Hals umdrehen. Als ich das Stück zum ersten mal gesehen habe, dachte ich noch "Hm, sieht fast schon langweilig aus. Ich meine, langsames Tempo und dauernd nur Achtelreihen". Aber ich hab das Presto übersehen.
Seitdem überfliege ich erst immer mal kurz die Tempoangaben, sobald ich ein neues Blatt voller Noten in die Hand gedrückt bekomme.
Spielen werden wir die ganzen Sachen (das oben Erwähnte, "Festive Overture"; 宝島, so ein Jazzteil und 時計台の鐘, ziemlich langsam) auf dem sogenannten 北信フェスチバル (Hokushin-Festival). Hab zwar keine Ahnung, was das ist, aber ich bin ja dran gewohnt, erst immer alles auf den letzten Pfiff mitzukriegen.
Auch noch aktuell ist mein Beitreten beim Teezeremonie-Club! Es ist nur einmal in der Woche, immer Mittwochs, ich glaube die BB kommt darüber hinweg, dass ich sie an den Tagen nicht mehr mit meiner Anwesenheit beehren kann (*hust*). Bis jetzt war es nur zwei mal (einmal war die Clubleiterin krank).
Wer jetzt denkt, die Teezeremonie besteht daraus, dass man Tee macht, ihn dann einschenkt, ihn trinkt und danach fertig ist, irrt sich gewaltig! Naja okay, in Grundzügen kann man das schon so bezeichnen, aber im Grunde genommen ist die Teezeremonie dazu gedacht, die aus den banalsten Mücken die imposantesten Elefanten zu machen. In den zwei Malen, denen ich bis jetzt beiwohnte, bin ich gerade mal bis zu der Stelle gekommen, wo man ein Stofftuch in tausenden von Schritten (Achtung, Ironie) faltet, herumdreht, glättet, bügelt, auseinanderreißt, wieder zusammennäht, dreckig macht, säubert, ausschüttelt...und das alles nur, um damit anschließend kurz eine Teedose abzuwischen. Die Japsen haben vielleicht Nerven!

Ansonsten ging es letztes Wochenende mal wieder zum Rotarymeeting nach Matsumoto. Das Meeting an sich war eigentlich nicht der Rede wert, war ziemlich trocken und diente bloß zur Besprechung vom Rotary Ski Camp im März (YESSSSS, dann kann ich es schon). Ich war schon eine Stunde zu früh da - weiß auch nicht, wieso mein Gastvater denkt, ich würde für die zehn Minuten Fußstrecke vom Bahnhof zu dem Meetinggebäude so lange brauchen - und da hab ich eben mal die Zeit überbrückt, um mir nochmal kurz das Schloss von Matsumoto anzugucken. Da war ich ja schonmal, aber es ist immer wieder sehenswert.

Mal wieder ein vergeblicher Versuch, ein professionell aussehendes Photo zu machen...

Auf meinem Weg durch die Stadt zu dem Schloss ist mir noch was ganz Witziges aufgefallen. Naja, witzig vielleicht nicht, aber ich fand es irgendwie...niedlich (das Schild stand ja schließlich auch vor einem Laden für Babybekleidung):

Wir sprechen zwar eigentlich kein Englisch...aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Und so nähert sich auch dieser Eintrag wieder dem Ende! Noch kurz etwas zu den näherliegenden Vorhaben: Heute Abend fahren ich & die Gastfamilie nach Nagano, mal wieder zum Zenkoji-Tempel, da soll es heute irgendsoeine Lichtshow oderso geben. Außerdem behalte ich mal im Auge, eventuell mit der Assistant Language Teacher-in Karin-sensei einen Tag oder so nach Tokyo zu fahren...ins Ghibli Museum! Das wollte ich sowieso schon, seit eine aus meiner Klasse heute da hingeht, und wenn mir schon der Vorschlag einer Tokyoreise gemacht wird, wieso nicht?
WUWUUWUWUUW ich möchte 千と千尋の神隠し im japanischen Original! Und zig Poster, Postkarten und was nicht sonst noch alles!
スタジオジブリーが大好き!!

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Weihnachten und das ganze Zeug

So, knapp vor dem neuem Jahr muss natürlich auch noch schnell ein Eintrag her, ich kann es ja nicht auf mir sitzen lassen, im Dezember nur einen Eintrag verfasst und meine Gäste, die mein anscheinend exorbitant interessantes Leben regelmäßig verfolgen, in der Wüste der Nichtinformation (ist das überhaupt ein Wort? Egal.) verdursten lassen zu haben!

Bevor ich allerdings mit den heißesten Breaking News beginne, erst einmal vielen, vielen Dank an alle, die mir E-Mails, Karten, und Päckchen zu Weihnachten geschickt haben! Ich muss das jetzt hier erstmal so pauschal formulieren, ich werde alle meine Schreibkräfte verausgaben, möglichst vielen zurückzuschreiben, aber mitunter werden Wartende sich wohl leider etwas gedulden müssen, denn Neujahr ist ja nicht unbedingt eine Zeit des Jahres, in der man untätig Zuhause rumschimmelt. Und haha, diesmal ist damit sogar ein meines Erachtens nach annehmbarer, flüssiger Übergang zum Hauptteil entstanden! Ich werde mit der Zeit besser, ich merks!

Die letzten Ereignisse liegen teilweise schon einige Zeit zurück. Da wäre zunächst einmal das Eislaufen (bzw. Schlittschuhlaufen, aber das war so ein langes Wort, das ich zu faul war, es zu schreiben) in der M-WAVE, einer Halle, in der damals Eishockey und Eisschnelllauf im Rahmen der olympischen Winterspiele 1998 stattfanden! So episch man es sich vorstellen mag, so monumental kommt es dann gar nicht rüber. Eigentlich ziemlich ernüchternd sogar. Hier ein Bild von mir und Masahiko vor dem Nagano-Olympische-Winterspiele-Symbol!


Das Laufen auf dem Eis an sich war dann um einiges schwieriger, als die Halle zu beurteilen, denn zuvor war ich nur zwei oder dreimal auf den Kufen gewesen. Damals konnte ich es eigentlich ganz passabel, aber das ist natürlich schon so vergleichsweise lange her, dass meine Langzeiterinnerung die Methode, wie man ebendies tat, in die Schublade "unwichtig" geschoben hatte. Aber irgendwo tief in den Windungen meines Denkapparats ließ sich dann doch noch etwas zusammenkratzen, sodass ich nach ein paar Stunden immerhin schon mit dem Gastbruder mithalten konnte, ohne allzuviele Unfälle zu erleiden (einmal habe ich mir aber unglücklich das Knie gestoßen, was Tage später noch in den Knochen saß). Aber allzu viele Worte will ich jetzt darüber nun auch nicht verlieren, deswegen zum Schluss noch ein, logischerweise, abschließendes Bild:


Der nächste Punkt wäre dann wohl Weihnachten. Auf die Gefahr hin, alle Erwartungen restlos zu enttäuschen, muss ich sagen, dass man hier in Japan kaum was von gemerkt hat. Ich habe den Verdacht, dass die Gasteltern sogar diesmal nur wegen mir Weihnachten "gefeiert" haben, Weihnachten ist hier eben nur so was wie eine Art Halloween in Deutschland für kleine Kinder, ein Fest, das man eben kopiert, weils ganz lustig aussieht, mehr aber auch nicht. Am Heiligabend haben die Kinder (also auch ich) Geschenke untereinander ausgetauscht, ich bekam an diesem Abend einen "Hanten", so eine Art Winterkimono für männliche Wesen (die für Frauen sind gar nicht mehr so winterlich, da sie Schlitze unter den Achseln haben und viel dünner sind)!
Dadurch sehe ich jetzt sogar aus wie ein richtiger Japaner!


Zu Weihnachten selber gab es keinen Schnee, aber ungefähr eine Woche davon fielen die weißen Flocken gar fürchterlich vom Firmament. Eines Wochendendes unternahm ich einen kurzen Ausflug in die Nachbarpräfektur Niigata, und da ging einem der Schnee mitunter bis...ähh, ich bin unfähig, es zu beschreiben, guckt einfach hier:


Na gut, so atemberaubend ist es jetzt nicht, ich gebs ja zu. Zumal ich gehört habe, dass es in Deutschland dieses Jahr ziemlich kalt sein soll, kälter als in Nagano! In Japan war es immer ziemlich nah am Gefrierpunkt, der hier im Übrigen sinnigerweise "Hyôten", also "Punkt des Eises", heißt, aber ich schweife schon wieder ab, eigentlich ging es ja um Weihnachten.
Am nächsten Tag also lagen bei mir noch ein paar Geschenke im Zimmer rum, denn da sich die Japaner nicht entscheiden können, ob sie es lieber wie die Amis oder doch anders machen sollen, gibts eben eine Mischung aus beidem! Diese Geschenke kamen von den Gasteltern und waren ein Shogi-Spiel (ist wie Schach, nur trickreicher) und ein Bilderbuch über irgendwelche japanischen Bräuche.
Was jetzt wie ein langweiliger Bericht klingen mag, war aber auf keinen Fall so! Obwohl das typische "Weihnachts-Flair" gefehlt hat, war es dennoch schön! In der Klasse gab es auch eine kleine Weihnachtsfeier, wo die große Raubtierfütterung mit selbstgemachten Plätzchen stattfand.
Ja, ich habe in der Vorweihnachtszeit selber Plätzchen gebacken! Ganz profane Butterplätzchen, die wirklich mehr "Butter" als alles andere waren, aber anscheinend waren sie so außerirdisch lecker, dass sich alle wie die Geier draufstürzten. Naja, was schlechtes ist es ja immerhin schonmal nicht. Die Gelegenheit dieser Feier habe ich dann auch gleich beim Schopfe gepackt und der Klasse eine neue Version meines Deutschland-Vortrags vorgesetzt, sämtlich auf Japanisch!
Bevor es weitergeht, noch ein Bild von Japan im Winter (Teil des Zenkoji-Tempels, Nagano).


Der Rest des Eintrags bezieht sich dann wohl auf die unmittelbaren Ereignisse. Tja, was gibts so zu erzählen? Am 27. begannen die Winterferien, und sogar der Brass Band Club hat es fertig gebracht, seine Mitglieder in aller seiner Gnadengestalt für rund eine Woche komplett in die Ferien zu entlassen! Das ist so unfassbar, das es an ein Wunder grenzt. Ich freue mich aber im Moment wieder sogar auf den Beginn, obwohl er mit der Zeit etwas nervig geworden ist, denn nach den Ferien steht "Chihiros Reise ins Zauberland" auf dem Plan.
In den Ferien selber hat es sich bisher so mittelmäßig ereignisreich abgespielt. Zwei Tage habe ich weitgehend mit Schlafen, Essen und Lesen verbracht - LIMIT von Frank Schätzing ist einfach toll (bekam ich von meiner Familie in Deutschland quasi als Weihnachtsgeschenk, wenn auch schon etwas früher), unglaublich fesselnd. Ich bin schon bei Seite vierhundertnochwas von tausendundwasweißich.

Aber natürlich wäre es ja sinnlos, die so heiß erwarteten Ferien fern von allen Japanern abgeschieden in meinem schön beheizten Zimmerchen zu verbringen! Gestern war die Familie, die für mich auch relativ am Anfang meiner Japanzeit eine Art Willkommensparty gemacht hatte, bei den Heißen-Quellen-Großeltern zu Gast, da am Abend eine Art Familienfeier stattfinden sollte, an deren Grund ich mich nicht mehr erinnern kann, nur, dass es unter anderem mit dem Geburtstag des größeren Gastbruders, Shunichi, zu tun hatte. Wie auch immer, es war sehr schön an dem Abend! Die "Kinder" haben hauptsächlich UNO nach dem Essen gespielt, das, nebenbei bemerkt, durchweg französischer Küche war und daher unausweichlicherweise auch die von den Japanern so heiß geliebten Austern enthielt. Aber ich hab mich an diesen Abend mal überwunden und alles (fast) kommentarlos an Essen geschluckt. Das Menü hatte fünf Gänge oderso, und am Ende konnte ich noch nicht mal mehr mein Dessert aufessen, weil ich ansonsten geplatzt wäre.
Es stellte sich heraus, dass eine der älteren Töchter der Familie der Schwester meines Gastvaters (eine herrliche Familienkonstellationsbeschreibung - und schon wieder ein zu langes Wort...) vor ein paar Jahren mal in Amerika war, sodass ich quasi auf Englisch reden konnte und einen Übersetzer auf Beinen hatte, sehr praktisch! Auch wenn ich natürlich keineswegs die Absicht hatte, irgendjemanden als laufendes Wörterbuch zu missbrauchen. Und eigentlich soll ich ja auch mehr Japanisch sprechen. Worum ich mich nach Kräften bemühe. Aber wenn sich schon einem die verlockende Möglichkeit auftut...

So, und das war es auch erstmal wieder, und ich beende meinen Eintrag wie immer mit denselben Wörtern, es ist zu verzweifeln, aber es will einfach nichts anderes in meinen Kopf, was als Schluss passen könnte. Bleibt mir noch noch, allen, die dies hier lesen, ein

Frohes neues Jahr

zu wünschen!

Bis dann irgendwann mal wieder!

Montag, 14. Dezember 2009

Attention space travellers

Es wird mal wieder Zeit für ein Update!
Im Dezember habe ich mir bis jetzt ja schon einiges an Zeit gelassen.
Langsam wird es hier wirklich ziemlich kalt, auch wenn wir im Tal noch keine einzige Flocke an Schnee hatten. Aber mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren wird mittlerweile schon zu einer echten Überwindung. Ich mach das jetzt nur noch, wenn es unbedingt nötig ist, die 40 Minuten bis zur Schule sind dann doch schon sehr lang. Außerdem braucht dieser Moloch von einem Fortbewegungsmittel, den ich hier habe, mindestens eine halbe Stunde, um in den ersten Gang (von drei) zu schalten. Wenn er Lust hat, braucht er auch mal länger, aber nur, wenn ich gerade einen Berg hochfahre und Gegenwind habe. Grrrr.

Aber egal, kommen wir zu etwas erfreulicherem. In diesem Eintrag soll es hauptsächlich um die Tokyo-Fahrt gehen! Sie ging vom 12. bis 13. Dezember und beinhaltete unter anderem den Tokyo Tower, die Abschiedsparty für einen der Austauschschüler und Disneyland (YAY)! Und weil mir jetzt (wie immer) nichts mehr für die Einleitung einfällt, fang ich eben gleich wieder an:

Der ganze Spaß begann erstmal sehr früh. Früher als sonst zumindest. So gegen fünf bin ich aufgestanden, denn der Zug vom Obasute (sprich: "Obasste") Bahnhof ging schon um sieben und ich kenn mich ja selber, wie lange ich immer in den heißen Quellen bleibe (im Winter ist das einfach so herrlich). Naja, das ganze übliche morgendliche Gewusel muss ich jetzt ja nicht im Detail schildern, auf jeden Fall ging es früh genug los und ab in den Zug. Na gut, eigentlich war ich viel zu früh dran und musste noch eine halbe Stunde warten...aber hey, immerhin besser, als später zu kommen! Was ich natürlich schlauererweise vergessen hatte, war mein Geschenk, dass wir zu der Fahrt mitbringen sollten. Das bemerkte ich aber erstmal gar nicht...jaja, ich Blitzmerker.
Lustig war es aber, dass ich die ganze Fahrt von Chikuma nach Matsumoto irgendwie kostenlos bekam. Natürlich vollkommen unwissentlich meines Handelns! Mein Gastvater gab mir bei der Abreise halt irgendsoein Ticket, und bei meiner Ankunft in Matsumoto schob ich es einfach in so eine Ticketmaschine, die in keinster Weise meckerte. Dabei war das Ticket gar nicht bezahlt, da es in Obasute keine "normalen" Tickets gibt (fragt mich nicht, wieso). Schon seltsam, aber beschweren kann man sich nicht.
Nunja, als ich dann also im Bahnhof angekommen war, ging ich in Richtung ARUPUSU GUCHI, wie es mir mein Gastvater gefühlte achtzig mal gesagt hatte, und traf auch gleich auf Mr Akabane, einer der Rotary-Betreuer ("Betreuer" ist eigentlich ein dämliches Wort, aber mir fällt kein anderes ein) und Spencer, einen der Austauschschüler. Um gleich mal vornewegzugreifen: Insgesamt waren wir fünf "ausländische" Schüler, zwei aus Amerika (Spencer und Christine), einer aus Australien (Mark) und zwei aus Deutschland (Anna und eine...mysteriöse, weitere Person, deren Namen niemand weiß). Außerdem waren noch zwei japanische Outbounds dabei, die nächstes Jahr beide nach Amerika wollen. Hätten wir das.
Nach und nach trudelte auch der Rest ein (bis auf Anna und einen der Japaner, die später noch dazu kommen sollten) und nach einer kurzen Pause im Bahnhof ging es weiter. Der restliche Weg sollte mit dem Auto gefahren werden.
Hier wird es erst einmal unspektakulär (falls man die bisherigen Ereignisee mit "spektakulär" beschreiben kann...). Es war eben eine recht lange Fahrt, ich denke so um die drei Stunden, bis wir in der Hauptstadt ankamen. Dann ging es aber auch gleich los!

Das erste Ziel war der Tokio Tower. Er ist genau wie der Eifelturm, nur anders.
Unter anderem ist dieses Gebäude ein Markenzeichen von Tokio und namhafte TV- und Radiosender...senden von dort aus. Es gibt zwei Plattformen, eine in 150 und eine in 250 Meter Höhe. Insgesamt ist der Turm 333 Meter groß!

Der Tokio Tower von unten. Wie ihr seht, ist er hoch...und orange.

Wir fuhren natürlich nach ganz oben! Zuerst ging es logischerweise auf die untere Plattform, und selbst von dort aus hatte man schon eine unglaubliche Rundumsicht. Kleine Fenster waren im Boden eingelassen, durch die man 150 Meter nach unten sehen konnte. Und es gab dort sogar einen Shinto-Schrein, der, ich zitiere: "Wüsche erfüllt und bei anstehenden Prüfungen hilft." Ja, die Shintogötter helfen wirklich bei fast allem, man muss nur zehn Yen reinwerfen, zweimal klatschen und sich verbeugen!^^
Auf der zweiten Plattform war es dann eben fast dasselbe. Weil es sinnlos ist, das alles irgendwie sonstwie beschreiben zu wollen, hier ein paar Bilder:

Auf der zweiten Plattform. Linker Hand unten ist ein Tempel zu sehen, geradeaus die tokyoter (klingt wie Kojote) Bucht.

Das große Tokyo beim groß sein.

Von rechts nach links (ganz japanisch): Koyama; Spencer; Christine; Mark; Anna; ein ominöser Fremder, der sich ganz frech ins Bild gestellt hat; und Yûda (von den Japanern kenn ich nur die Nachnamen)

Soviel zum Eifelturm Tokyos. Danach ging es in die "Downtown" Asakusa (sprich "Assaksa"), wo wir einen Tempel besuchten und ein wenig bummelten sowie auf die Ginza, einer berühmten Einkaufsstraße in Tokyo, bevor wir uns dann zum Abendessen in ein Restaurant begaben. Dies sollte die Abschiedsfeier von Mark sein (er hat noch 35 Tage, bevor er nach Australien zurückgeht!). Dadurch hab ich erst nochmal gemerkt, wie schnell die Zeit hier eigentlich vergeht. Ich bin ja jetzt selber schon knapp vier Monate hier. Waaaaaaah! Ich will den Kalender ändern oderso!
Das Essen, gab einige seltsame Sachen wie Haifischflossen- und Krabbensuppe (die aber durchaus lecker war) her sowie alt aussehende Eier, die aber eigentlich nur in Sojasoße gekocht waren.
Danach wurde spontan noch entschieden, zur Karaoke zu gehen! Es war mein erstes mal hier in Japan, und anfangs war ich mir noch ein wenig unsicher, ob ich mir was trauen würde, aber schlussendlich muss man in Japan sowieso irgendwann mal da hin, egal wie sehr man sich drückt. Mit dem "muss" soll jetzt aber nicht abgedeutet werden, dass es nicht lustig war, im Gegenteil. Anscheinend sind die beiden deutschen Lieder "99 Luftballons" und "Moskau" (von Dschingis Kahn) in Japan sehr bekannt. Okay, das Lied von Nena kann man ja noch nachvollziehen, aber Letzteres? Wie dem auch sei, es war auf jeden Fall ganz witzig (falls es wen interessiert: Ich habe "How many roads", "Everybody was Kung Fu fighting" und eben "Moskau" gesungen.).

Am nächsten Tag dann (nachdem wir im Hotel Toyoko-Inn übernachtet hatten) gingen wir ins Tokyoer Disneyland! Als ich das vor der Fahrt erfahren hatte, war mir das ein wenig suspekt vorgekommen, aber es scheint eine Art "Tradition" von Rotary zu sein. Mark (der Austauschschüler aus Australien) war schon mindestens fünf mal dort, zwei mal mit Rotary, und deswegen brauchten wir auch quasi keine Karte um uns zurechtzufinden oderso.

Der "Tokyo Disneyland Resort"

Und...Schloss Neuschwanstein (PLAGIAT!!!!!111einself)

Wir hatten für das Disneyland fünf Stunden Zeit. Und wir schafften es, sage und schreibe, DREI Attraktrionen zu "besuchen" (besichtigen?) Ja, so war es. Die Gleichung "Disneyland + Vorweihnachtszeit + Wochenende" MUSS ja wohl anscheinend in "Menschenmassen" resultieren, das hätte man sich auch vorher schon denken können. Und so kam es, dass man vor jedem Ding mindestens eine Stunde warten musste, egal, wo man sich umsah. Sogar vor Popcornbuden standen riesige Schlangen.
Wir waren im "Pirates of the Carribean" (Rundfahrt in einer...Höhle), "Big Thunder Mountain" (eine Art Achterbahn) und im Space Mountain -

ATTENTION SPACE TRAVELLERS
Space Mountain is a thrilling high-speed, roller-coaster type attraction in the dark which includes sharp turns, sudden lifts, drops, and stops.
To ride, you should be in good health. Guest with:
-High blood pressure
-Heart, back or neck problems
-Motion sickness
and other problems that may be aggravated by this adventure should not ride.
Expectant mothers and guests of advanced age should not ride.
Please keep children spervised at all times.
Children age seven or younger need to be accompanied by a person age 16 or older.
Guests who don't meet the minimum height requirement of 102 centimeters may not ride. Please notice that the height checker in front of this attraction may forbid people of certain body shapes or heights from riding.
You may have to evacuate on foor in case of emergency.

...
Das ist es, was sich nach gefühlten anderthalb Stunden stehen ins Gedächtnis einprägt (das Ganze hat sogar den Titel dieses Eintrags erobert). Die Sicherheitsdurchsagen. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass Space Mountain - nebenbei ein echt geiler Name, im All gibt es ja, wie jedes Kind weiß, ganze Gebirgsketten - gar nicht so schlimm war, wie es dort beschrieben wurde. Anscheinend ist das Taktik, um Gäste abzuschrecken und so die Warteschlange zu verkleinern. Wenn es das sein sollte, funktioniert es leider nicht.

"Big Thunder Mountain"

Mickey!
(Nein, ich kenne die Person im Vordergrund nicht xD)


Übrigens möchte ich einmal gesagt haben, dass ich nicht gerne den Job von dem armen Typen hätte, der da den Micky mimt. Geld hin oder her - das Disneyland hat ganzjährig geöffnet. Jeden - Tag - im - Jahr. Und jeden dieser Tage tausende von hungrigen, raubtierähnlichen Touristen und Besuchern, die dich zerfleischen, wenn du nicht auf ein Foto mit ihnen willst.
Grausamer Job. Grausam, sage ich.

Die Rückfahrt verlief dann wieder recht ereignislos, und schon sind wir am Ende dieses Eintrags angekommen. Ich weiß nicht mehr, was ich noch schreiben soll, außer dass es ein lohnendes Wochenende war (und diesmal bei WEITEM nicht so stressig wie die Okinawafahrt, zum Glück).
Ich hoffe, ihnen hat dieser kleine Exkurs in meine neulichen Erlebnisse gefallen und ich freue mich, wenn sie das nächste mal wieder vorbeischauen!
Bis dahin, näch?

Montag, 23. November 2009

Die Affen sind los

Ich wollte nur mal so als Randbemerkung reinstellen, dass ich soeben neue Bilder in dem Webalbum hochgeladen habe. Sie stammen von dem kleinen Trip vom letzten Wochenende, an dem ich zusammen mit dem Gastvater und Masahiko (kleiner Gastbruder) bei den berühmten "Snow Monkeys" im "Höllental-Park" war. Diese Affen sind deswegen in aller Munde, weil sie eben dort in den Bergen in der kalten Jahreszeit in den heißen Quellen baden!
Die "Closeup"-Photos sind im Übrigen nicht sonstwie rangezoomt oder nachher bearbeitet, man konnte wirklich so nah an die Affen ran. Die Tiere dort haben sich so sehr an die Menschen gewöhnt, dass man sie theoretisch hätte berühren können, was man aber nicht durfte. Ist ja auch besser so.

Irgendwie ungwohnt, so ein schnelles Update gab es glaub' ich seit dem August nicht mehr. Aber da wir in der Schule heute überraschenderweise wegen Influenza (Schweinegrippe und das ganze unerfreuliche Zeug) mal eben so 'ne Woche frei bekommen haben, kann man sich das ja auch mal erlauben. :3