Samstag, 27. Februar 2010

Kanji für Dummies (Teil 1)

Der Februar ist zu kurz. Zu kuhuhuuuuurz!
Wie auch immer, bevor er nun endgültig vorbei ist, muss ich natürlich hier noch was reinschreiben, das wäre ja sonst blöd, wenn ich nun total meine Gewohnheiten zugunsten der Faulheit ablegen würde!

Diesmal geht es wieder um die japanische Sprache. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Ende März bekomme ich von meiner Familie (außer Papa) Besuch, und wenn man nach Japan kommt, muss man natürlich auch ein (winziges) bisschen Japanisch können! Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Leute am Flughafen kein Englisch beherrschen, aber ein wenig kann ja nun wirklich nicht schaden.
Also los!
Insbesondere werde ich hier mal über die Kanji, die aus China geklauten Schriftzeichen, schreiben. Die Katakana- und Hiragana-Tabellen hatte ich ja schon in einem früheren Eintrag reingestellt. Wahrscheinlich würde jeder halbwegs vermögende Japanischlehrer über meine Ausführungen hier nur verzweifelt den Kopf schütteln...aber so ist es eben, wie ich es selber gelernt habe (und am einfachsten finde).

Ja, das ist abfotografiert.

Zuerst einmal muss natürlich eins gesagt werden: Kanji sehen auf den ersten Blick so schwer aus wie sonst nichts auf der gesamten Welt, und überhaupt. Ich bin jetzt schon ein kleines bisschen mit ihnen vertraut, aber die schiere Zahl raubt einem einfach den Verstand. Wieviele sollen es nochmal sein? Rund 20000? Irgendsowas in dem Dreh, soweit ich mich nicht vollends täusche. Aber naja, nicht so schlimm, um sich als Individuum ohne Hilfe über Wasser halten zu können, braucht man ja nur 1945 Stück! Ist doch 'ne Leichtigkeit, das machen'mer doch.
Um etwas ernster zu werden: Wenn man ein wenig in die Materie eingetaucht ist, wird es schon ein bisschen leichter. Teilzeichen tauchen wieder auf, an vertrauten Stellen, das heißt, nicht jedes Kanji an sich ist eine vollkommen neue Erfindung. Manchmal ergeben die Teilzeichen ("Radikale") sogar auch einen Sinnzusammenhang!

Ich werde zuerst einmal ein exemplarisches Beispiel "vorführen", damit man zuerst einmal grob erkennen kann, wie das mit den wiederkehrenden Zeichen funktioniert. Dabei werde ich versuchen, wenn möglich Zeichen aus dem Alltag zu nehmen...(Die Rahmen um die Zeichen zählen, nebenbei bemerkt, nicht zum Kanji, sondern sind nur zur Abgrenzung, der Übersichtlichkeit halber)


Das Zeichen für "Tor", mon. Ich muss gestehen, im Alltag wird man es sogut wie nie benutzen, aber vorerst geht es weniger um das Wort an sich, sondern seine Bedeutung in anderen Zeichen. In diesem Kanji sieht man doch recht eindeutig ein Tor, wie eine Art Saloontür im Western.
Und nun ein paar Zeichen, in denen dieses Zeichen wieder auftaucht:


Die beiden Verben akeru und shimeru, mit der Bedeutung "öffnen" und "schließen". (Nur jeweils die obersten Zeichen sind Kanji, der Rest ist Hiragana und dient zur grammatikalischen Funktion.)
Wie auch immer, in den Kanji sieht man das Tor wieder. Logisch, was assoziiert man stärker mit öffnen und schließen als eine Tür? Der Unterschied liegt nun in den Zeichen, die in der Mitte stehen.
Hier mein Weg, wie ich es mir gemerkt habe.
Im Kanji für "öffnen" sieht man ein "A" (ist natürlich nicht die wirkliche Bedeutung, aber es sieht so aus). "A" steht für "Anfang", bzw. "Aufmachen". Außerdem spricht sich das Kanji in diesem Wort ebenfalls "a". Soweit, so gut. Aber "schließen"?
In "schließen" sieht man ein Katakana-"O" zwischen den Türen. Hm, "schließen" fängt nicht mir "O" an, aber dafür gibt es eine andere Eselsbrücke: Für mich stellt es "Omega" dar, gleichbedeutend mit "Ende", und wenn irgendetwas zu Ende ist, gehen die Türen zu.
Öffnen und Schließen, Alpha und Omega.
Ehrlich gesagt würde es mich nicht verwundern, wenn das für einige...seltsam erscheint, aber solche komischen Gedankenkonstrukte sind meine Spezialität!


Ein weiteres Wort. Diesmal das für "Zeit", jikan.
Auch hier wieder das Tor, diesmal im zweiten Kanji des Wortes. "Zeit" lässt sich in zwei Einzelkanji spalten, "Stunde" und "Zwischenraum".
"Stunde", das obere Kanji, besteht gewissermaßen aus "Sonne" (links) + "Tempel", vielleicht, weil die Zeit früher in mittelelterlichen Tagen in Tempeln anhand von Sonnenuhren abgelesen wurde. "Sonne" ist im Übrigen ein sehr oft vorkommendes Teilkanji (bzw. Radikal).
Das Zweite nun, "Zwischenraum", in dem "Tor" enthalten ist, zeigt uns eben jenes, und zusätzlich eine Sonne zwischen den Türen. Eigentlich recht einfach: Dort, wo man Sonne durch eine Tür scheinen sehen kann, dort ist ein Zwischenraum.
Der "Zwischenraum der Stunden" ist also Zeit. Wie man das interpretiert, ist jedem selbst überlassen, ich kann damit nichts wirklich anfangen, aber irgendwie bleibt es dann doch hängen.

Und zum letzten Wort für heute (es wird noch ein zweiter Teil folgen), und zwar "Zeitung", shinbun.


Das obere Zeichen ist schwer zu erklären. Ich habe es mir einfach so gemerkt, weil ich es oft benutze, aber den Zusammenhang der Einzelteile kann ich nicht erklären. Irgendwas mit einer Vase, einem Baum, und einem dritten Teilzeichen, dass im Grunde irgendetwas mit "falten" zu tun hat. Seltsam, seltsam, und, aus welchem Grund auch immer, bedeutet dieses erste Kanji "neu".
Das zweite Kanji ist weitaus weniger obskur. Wieder einmal die Türen, zudem in der Mitte ein Ohr. Zusammen ergibt das "hören". Jemand legt sein Ohr an eine Tür und lauscht bzw. hört. Nicht das Schwerste.
Die zusammengesetzte Bedeutung beider Kanji ist dann aber wieder sehr einfach: "Zeitung" ist einfach "Neues Gehörtes", auf Papier gedruckt. Nicht so unglaublich philosophisch wie der Zwischenraum der Stunden.

Das war es für dieses mal!
Ich glaube auch eigentlich, dass das vorerst reichen sollte. Ich hoffe, ich konnte die Wiederkehr bestimmter Radikale einigermaßen gut darstellen. Und jetzt bin ich müde...

Bis zum nächsten Mal!

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