(Als Titel jetzt mal ganz spontan so einen Schenkelklopfer für Beinlose gewählt, weil mein Gehirn gerade nichts kreatives ausspucken möchte, es sei mir verziehen)
Herrje, ich habe jetzt erstmal wieder gemerkt, wie lange der letzte Eintrag schon her ist. Da muss wohl wohl oder übel was Neues her (ich weiß, es ist irgenwie immer dieselbe Einleitung, aber irgendwie fällt mir nichts besseres ein).
Ja. Zunächst einmal gibt es zu sagen, dass ich jetzt nach langem Hin und Her einem Schulclub beigetreten bin! Naja, letztendlich war die Auswahl sowieso nicht mehr allzu groß, der Bogenschießen-Club war schon zu vollgestopft, und in allen anderen, die mich interessierten, waren nur drei bis vier Leute, also musste ich dann wohl am Ende einen nehmen: Den Brass Band Club.
Seit ungefähr anderthalb Wochen gehe ich da jetzt schon regelmäßig hin, und die üben ganz schön hart! Nicht nur, dass es erst einmal generell zweieinhalb Stunden am Tag sind, oft ist das Ziel auch eine Aufführung oder ähnliches. Ich hab' keine Ahnung, ob ich als Quereinsteiger da so unbedingt mithalten kann...für das aktuelle Stück (ich weiß nicht, ob sie das aufführen wollen oder nicht) habe ich mir einfach erst mal die einfachsten Noten geben lassen. Die Länge ist natürlich ungewohnt. Nach der Schule noch bis gegen sieben in der Schule zu bleiben, ist schon manchmal echt ein Härtetest. Besonders schlimm ist es an Freitagen nach dem Aufstehen, wo man aufmacht und weiß, dass man heute trotz herrannahendem Wochenende noch bis abends in der Schule ist - schrecklich. Die Schulstunden vorher ziehen sich dann wie Kaugummi, der Club selbst ist dann aber wieder vollkommen okay - wenn man erst mal dabei ist, kommt es einem gar nicht mehr so lange vor (trotzdem bin ich jedes mal froh, meine Klarinette am Freitagabend zusammenpacken zu dürfen).
Der Club übt sogar teilweise am Wochenende! Das ist mir dann doch irgendwo ein bisschen zu krass, deswegen mach ich die Proben da nicht mit (zumindest generell nicht, wenn ich wirklich eines Tages mal mit dem Club einen Auftritt habe, werde ich mich schlecht drumrumreden können), zumal auch das Wochenende immer ziemlich gefüllt ist.
Überhaupt hab' ich in Japan irgendwie einen viel volleren Terminkalender. Meinen Timer benutz' ich trotzdem nicht...manchmal sind die Gasteltern so lustig drauf und wecken mich einfach am Samstag um 8 und werfen mir irgendwelche Zeiten an meinen halb verschlafenen Kopf, die dann ungemütlicherweise meistens immer nur rund eine Stunde entfernt liegen. Mittlerweile frage ich die Gastmutter am Wochenende immer über den nächsten Tag aus, am besten Zeitangaben; so sehr hab' ich mich jetzt schon darüber aufgeregt.
Aber so nervig es manchmal auch sein mag - wenn meine fünf Minuten verflogen sind, find ich es eigentlich immer toll, dass sich meine Gastfamilie so gut um mich kümmert und versucht, mir so viele Eindrücke wie möglich zu geben.
Kyûdo mach' ich übrigens trotzdem, auch wenn mir der überlaufene Schulclub es mir gewissermaßen etwas vermiest hat. Jeden Mittwoch gegen Abend übe ich jetzt hier in einem kleinen Dojo in der Nähe - geschossen hab' ich allerdings noch nicht. Man muss einen unheimlichen Aufstand machen, bevor man sich in der richtigen "Schussposiotion" befindet, und das muss natürlich auch gelernt sein.
Und noch was zum heutigen Tag: Heute war "Undokai", eine Art Sportfest, dass von dem Kamiyamada-Bezirk ausging. Das scheint in Japan relativ verbreitet zu sein.
Gleich nach dem Aufstehen (diesmal war ich clevererweise vorbereitet) ging es also los. Schauplatz des Ganzen war wieder der Schulhof der Grundschule meines Gastbruders, wo auch schon das Schul-Sportfest stattgefunden hatte.
Die Kamiyamada-Region teilt sich nochmal in kleinere Gebiete auf, und danach waren die einzelnen "Athleten" geordnet. Ich und meine Gastfamilie gehörten zum "Onsen-Team".
Zuerst gab es eine ziemlich langweilige Eröffnungszeremonie, bei der man sich erstmal ordentlich die Beine in den Bauch stand. Irgendwie scheinen Japaner ein Faible für langwierige Reden zu haben: Mindestens zehn verschiedene Leute hielten kleine Eröffnungsreden und die Namen aller Gäste wurden mit glänzender Korrektheit von einer Sprecherin vorgelesen, die anscheinend nach der Stimme zu urteilen auch nicht gerade pünktlich aus den Federn gekommen war.
Sobald das überstanden war, war es jedoch ganz lustig. Wie sich herausstellte, ist Undokai eher so etwas wie ein Turnier für nicht so ganz ernst gemeinte Sportarten. Beispiele wären da "Trommelrollen" (keine Ahnung, ob's wirklich so heißt, aber man musste mit einem trommelartiges Gebilde möglichst schnell Runden drehen), "Eierlauf" und "Wettrennen mit zusammengebundenen Füßen" (immer vier Leute waren hintereinander aneinandergebunden).
Auch ich hab ein paar Sachen mitgemacht, hier ein Foto von mir als heldenhafter Athlet der Disziplin "Wasser mit einer Teetasse möglichst schnell in zehn Meter entfernte Flaschen umfüllen" (was für ein epischer Name):
Wir haben da zwar verloren, und auch noch in ein paar anderen Sachen, aber eigentlich ging es weniger ums Gewinnen als um den Spaß. Es wäre sowieso schwer gewesen, die Teams gleichmäßig und gleichstark zusammenzustellen, denn es war einfach alles zusammengewürfelt - von Erstklässlern bis hin zu den Großeltern von denselbigen war alles dabei.
Ansonsten geht es mir soweit ganz gut. Zumindest kann man sich nicht wirklich beklagen. Was vielleicht noch erwähnenswert ist: In Japan ist derzeit Taifun-Saison. Starke Regenfälle und Windböen sind also an der Tagesordnung - nicht aber in Nagano (irgendwie komisch, erst was zu sagen und es dann gleich wieder zu verneinen, aber was solls). Die Berge schützen uns hier einigermaßen vor den Wettergewalten, aber ein- zweimal hab' ich auf dem Schulweg auch schon...nasse Überraschungen erleben müssen (besonders toll, wenn man keine Jacke oderso mithat).
Überhaupt sind in Japan die Launen von Mutter Erde viel bedrohlicher als in Deutschland. Was es hier nicht alles geben kann - Erdbeben, Flutwellen, Taifune und all diesen Kram, da muss man irgendwie nur noch schmunzeln, wenn man an "Schneechaos in Deutschland" denkt. Ich hab sogar schon mal ein Erdbeben miterlebt, was aber leider so schwach war, dass es mich noch nicht mal aus dem Schlaf gerissen hat. Hm, naja, bei einer zweiten Überlegung vielleicht auch ganz gut so.
So, und das wars vorerst mal wieder. Ich versuche mal, den nächsten Eintrag etwas früher als diesen hier einzuliefern, wobei natürlich auch hierfür wieder keinerlei Gewehr (absichtlich falsch geschrieben *hust*) besteht. Bilder vom Undokai werd' ich jetzt auch noch im Webalbum hochladen, wo das ist, solltet ihr ja langsam wissen.
Bis zum näxten mal!
Samstag, 3. Oktober 2009
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