Mittwoch, 23. September 2009

Yasumi

Langsam wird es wohl mal wieder Zeit für einen Eintrag in meinen Blog und eine Zusammenfassung der Dinge, die in den letzten Tagen so geschahen. Wo am besten anfangen? Ah ja, genau.

Seit einem Monat und zwei Tagen bin ich nunmehr schon in Nippon, und für mich kommt es bestenfalls wie zwei Wochen vor. Die Zeit ist so schnell verflogen, das hätte ich mir nicht im geringsten gedacht. Immer wartete Neues auf mich.
So auch in letzter Zeit. Die letzten fünf Tage (Wochenende mitgerechnet) hatte ich frei, einmal war eine Art Tag zum Gedenken der alten Menschen (Am Montag) und heute eine Art japanisches Erntedankfest (Ômatsuri).
Vor zwei Tagen, am Tag meines exakt einmonatigen Aufenthalts, ging es am frühen Nachmittag erst einmal in die Schule meiner Gastschwester. Dort wurde ein Projekt präsentiert, das von einem ehemaligen Kunstlehrer gegründet worden war. Die Schüler hatten ihre Klassenräume als "Kunstobjekte" gestaltet, jeweils nach anderen Themen. Da gab es interessantes zu sehen, wie zum Beispiel einen dunklen Raum voller Kerzen; ein Raum für Zeichnungen (wo ich wieder an meine alte Vermutung denken musste, dass die Asiaten irgendsoein Zeichen-Gen haben müssen) und noch vieles mehr. Da die Schule vergleichsweise groß ist, konnte ich nicht alles sehen, aber es war sehr interessant und schön gestaltet.
Nachdem wir uns dann am späten Nachmittag etwas ausgeruht hatten, ging es gleich weiter
zu Verwandten der Wakabayashis. Die Schwester meines Gastvaters hatte für mich eine Art Willkommensparty organisiert (irgendwie seltsam, wieviele Leute ich noch nicht kenne, obwohl ich doch schon so "lange" hier bin). Das Essen war sehr lecker und ich habe das erste mal in meinem Leben Wii gespielt (höhö, ein Meilenstein in der Geschichte). Es war zwar etwas anders, als ich es mir vorgestellt hatte, aber doch ziemlich lustig. Ich war etwas verwundert, als wir noch so lange blieben, denn ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass wir die darauffolgenden drei Tage noch freihaben würden! Aber sobald ich es wusste, konnte ich beruhigt noch ein paar Runden spielen (im Bowling war ich ganz passabel).
Die Japaner verbinden anscheinend aber immer als allererstes Bier mit Deutschland. Wenn man sie nach einem typisch deutschem Fest fragt, kommt meistens ohne Umschweife "Oktoberfest", und ich muss erst mal allen klar machen, dass das nicht in jeder Region Deutschlands so üblich ist.

Die zwei Tage danach waren etwas entspannter. Am Montag, dem "Tag der alten Menschen" (oderso) waren wir nur abends bei den Großeltern, die auch die heiße Quelle besitzen, zum Abendessen eingeladen. Am Tag darauf hat sich das dann mit den anderen Großeltern nochmal wiederholt.

Heute jedoch war ein besonderer Tag. Zuerst mal war ich frühs ziemlich stinkig, da ich, obwohl ich nicht signifikant später als sonst ins Bett gegangen war, bis Mittag geschlafen hatte und gleich irgendwohin gezerrt wurde, ohne auch nur eine Chance auf eine Dusche oder dergleichen zu haben.
Mit der Zeit verflüchtigte sich das aber. An Ômatsuri, einem japanisches Fest, dass nur einmal im Jahr stattfindet und in etwa unserem Erntedankfest entspricht, wird der Beginn der Reisernte gefeiert. Da es ziemlich viele Schreine in den einzelnen Städten bzw. Bezirken gibt, spalten sich die Bewohner immer nach "ihren" Schreinen auf, weswegen es bei uns heute nicht so unglaublig viele Leute waren, aber immerhin genug, um den Platz vor dem Schreingebäude auszufüllen.
Es ging zunächst los mit einer kleinen Prozession auf den Schreinhügel. In dessen Mitte war schon ein kleiner Kampfring errichtet worden, denn heute sollte ein Sumo-Wettkampf stattfinden. Na gut, vielleicht nicht so ein typischer, "richtiger" Sumo-Wettkampf, es war eher ein Spaß-Event, für das sich einige angemeldet hatten. Auch Schulkinder haben mitgemacht!^^Nachdem die "großen" gegeneinander angetreten waren, wurden die einzelnen Klassenstufen ausgerufen. Der jeweilige Sieger der Runden bekam jeweils ein kleines Geschenk.
Wenn man sich solch einen Wettkampf mal mit eigenen Augen anschaut, sieht man, dass noch viel mehr als das bloße Antreten zweier Kämpfer dahintersteckt. Zumindest zuvor wird eine (aus meiner Sicht zumindest) recht komplizierte religiöse Zeremonie abgehalten, und der Kampfring quasi "eingeweiht".
Am Abend dann ging es noch weiter. Nachdem wir zum Mittagessen nach Hause gefahren waren, machten wir uns gegen sechs wieder auf zum Kamiyamada-Hotel. Dort sollte nämlich der Shishi, ein japanischer, tanzender Mythenlöwe, verbeikommen.
Zumindest ich fand die Vorstellung ziemlich komisch. Zu leicht schräger Bambus-Querflötenmusik tanzten zwei Leute unter einem Tuch und einer Drachenmaske, und nachher wurde jeder einmal mit der Holzschnauze am Kopf berührt, wobei man sich verbeugen musse. Schon komisch!
Anschließend fuhren wir wieder zum Schrein, während der Shishi weiter seine Runde durch den Kamiyamada-Bezirk machte. Dort fand unterdessen ein kleines Feuerwerk, eine Tombola und eine Vorführung einer Trommelgruppe statt. Ganz am Schluss kam der Shishi mitsamt seinem Laternenzug wieder zum Schrein hinauf und das Fest wurde mit einem erneuten Tanz beendet.

Und jetzt ratet mal, was sonst noch passiert ist.
Ich hab bei der Tombola sogar was gewonnen.
'N nagelneues Pokémonspiel für den DS. Auf Japanisch.
Suppor.
Wieso gewinne ich immer nur Sachen, die ich überhaupt nicht brauche?
Hier ist der Beweis:


Das war es erst einmal für die nächste Zeit. Die Bilder vom heutigen Tag stell' ich noch in so ein Picasa Webalbum (rechte Seite, ein Stück runterscrollen).

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